Das erste Wohnhochhaus Salzburgs

Wohnhochhaus Lehen – Siebenstädterstraße 23

Vor 150 Jahren war Lehen noch eine überwiegend ländlich geprägte Gegend. Heute ist das Gebiet der am dichtesten, besiedelte Stadtteil. Obwohl Lehen nur 2 % der Gesamtfläche Salzburgs einnimmt, leben hier etwa 12 % der Stadtbevölkerung.

Christoph Koca

Von Christoph Koca
Austria Guide, Kunstspaziergang.com

1902 wurde der Vorgänger der heutigen Lehener Brücke, die Ludwig-Viktor-Brücke errichtet. Sie war auch die Initialzündung für die Entwicklung der Ignaz-Harrer-Straße. Der große Bauboom setzte nach dem Zweiten Weltkrieg ein, als die Wohnungsnot groß war. In dieser Zeit änderte sich das Antlitz des aufgrund seines einst sumpfigen Charakters von Franz Valentin Zillner als „salzburgische Mesopotamien“ bezeichneten Bezirks grundlegend. „Es musste Wohnraum geschaffen werden, der möglichst billig war, aber ein gewisses Maß an Qualität aufwies.“[1]

Ein Wohnhochhaus muss her!

Ein städtebauliches Umdenken setzte mit der Errichtung des Wohnhochhaus Lehens im Stil des Funktionalismus ein. „Mit dem 14-stöckigen Wohnhochhaus, das bereits 1958-59 ebenfalls im Rahmen von, Lehen II´als Sechspänner (sechs nach Osten, Süden und Westen orientierte Wohnungen pro Geschoß) zur Ausführung gekommen war, begann in Lehen die Zurückdrängung querdurchlüfteter Zellenbauten zugunsten kompakter Baukörper.“[2] Das nach dem Entwurf von S. Karl Huber unter der Bauleitung von Helmut Till für die „Neue Heimat“ errichtete Wohnhochhaus, umfasst neben einem Geschäfts- bzw. Gastronomiebereich im Erdgeschoss, Büroflächen im ersten Stock sowie 72 Wohnungen in den übrigen Geschossen. Mit einer Gesamthöhe von 52 Metern handelt es sich um das dritthöchste Hochhaus Salzburgs. „Das Haus wurde mit zwei Sowitsch-Liften ausgestattet, wovon einer für drei Personen und der zweite für sechs Personen zugelassen ist.“[3]

Riss im Mauerwerk

1961 berichteten die Salzburger Nachrichten über einen Riss im Hauptmauerwerk der Großsiedlung, der auf Höhe des ersten Stocks entstanden war. „Das Entstehen des Risses kündigte ein starkes Geräusch an.“[4] Noch im Mai desselben Jahres wurde zur Behebung des Schadens der Einsatz von „Betoninjektionen“[5] an den betroffenen Stellen empfohlen.

Nach einem Erdbeben, das die Stadt im Jahr 1964 erschütterte, hieß es: „Besonders stark waren die beiden Erdstöße im Hochhaus Lehen zu verspüren.“[6] Eine kosmetische Fassadenkorrektur beschloss der Fachbeirat der Stadt 1988. Das Hochhaus erhielt eine neue Wärmeisolierung aus gebrochenem Weiß mit Ziegelstruktur. Im entsprechenden Artikel der Salzburger Nachrichten hieß es kritisch: „Das Lehener Hochhaus, wahrlich kein Monument für vorbildlichen sozialen Wohnbau … “[7]  

Kunst am Bau

Am angeschlossenen Garagentrakt schuf Karl Hittmann (1909–2003) ein Sgraffito, das drei Bauleute zeigt. „Karl Hittmann leitete das gewählte Gestaltungsmittel aus dem Bildträger – einer Mauer – ab und erzeugte so einen inhaltlichen, materiellen und formalen Zusammenhang zwischen Ort und Bild.“[8] Der gebürtige Wiener Hittmann ließ sich in den Zwanzigerjahren in Salzburg nieder, wo er als Lehrer tätig war und zahlreiche Arbeiten im öffentlichen Raum verwirklichte.


[1] Salzburger Nachrichten, 27.7.2013. S. 35
[2] Mayr, Norbert. Lehen – vielschichtige Urbanität zwischen Altstadt und Peripherie. In: Öffentlicher Raum Salzburg Lehen ein Projekt von Galerie Fotohof, Galerie 5020, Initiative Architektur. Salzburg 1998. S. 65
[3] Amtsblatt der Landeshauptstadt Salzburg, 21.2.1959. Nr. 4/5/12
[4] Salzburger Nachrichten, 7.4.1961. S. 7
[5] Salzburger Nachrichten, 13.5.1961. S. 7
[6] Salzburger Nachrichten, 28.10.1964. S. 5
[7] Salzburger Nachrichten, 22.6.1988. S. 9
[8] Wagner, Gabriele; Wagner, Elias (Hrsg.). Kunst im Stadtraum Salzburg 1945–1978. Ein Handbuch. Salzburg. 2019. S. 194

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