Das Wort Fenster bezeichnet eine Öffnung, die Licht in einen Raum lässt. In vergangener Zeit war das Fenster auch ein Begegnungsort für junge Menschen.

Von Michaela Essler
Das Wort Fenster stammt aus dem Lateinischen und begegnet im Deutschen seit Anfang des 11. Jahrhunderts. Das lateinische Wort fenestra bezeichnete eine Öffnung in der Wand, durch die Licht in ein Zimmer kam.
Das germanische Augentor und Windauge
Die Germanen errichteten ihre Häuser mit kleinen Rundfenstern oder Luken im Dach, die Licht und Luft in den Raum ließen ohne großen Verlust an Wärme. Diese Öffnungen nannten die Menschen ougatora „Augentor“. An diese Luftdurchlässe, durch die der Wind wehte, erinnert das englische Wort window „Fenster“, das auf altnordisch vindauga „Windauge“ zurückgeht.
Das Helmfenster
Als die Menschen im 11. Jahrhundert das lateinische Wort fenestra in ihre Sprache übernahmen, verwendeten sie das Wort noch über einen längeren Zeitraum mit der Bedeutung „Öffnung“. So findet sich im Mittelalter das Wort Fenster auch als Bezeichnung für die Augenschlitze von Ritterhelmen, für die auch die Bezeichnung Helmfenster üblich war.
Holzläden, Leinen und Papier
Bevor die Fenster mit Glas ausgefüllt wurden, verwendeten die Menschen im Mittelalter zur Abdeckung lichtdurchlässige Stoffe, wie Leinen, Pergament oder Papier. Aber auch einfache Holzläden dienten als Fensterverschluss. Und damit bei geschlossenen Fensterläden doch noch etwas Licht in den Raum kam, waren in die Läden kleine Lichtdurchlässe geschnitten, mancherorts in Herzform.

Glasfenster – St. Leonhardt ob Tamsweg | Foto: Karl Traintinger
Glasfenster
Glasfenster waren zuerst nur in Kirchen üblich. Für weltliche Bauten kamen die Glasfenster erst ab dem 12. Jahrhundert und zwar in Burgen und Palästen. Und da auch nicht für alle Fenster des Hauses, sondern zumeist nur für die Prunkräume. Alle anderen Fenster wurden weiterhin mit Stoffen oder Papier abgedeckt. In Bauernhäusern und städtischen Patrizierhäusern begegnen Glasfenster zumeist erst im 13. Jahrhundert.
Der Unterschied zwischen den Fenstern mit und ohne Glas wurde auch sprachlich hervorgehoben. So begegnet in der Zeit vom 13.-15. Jahrhundert das Wort Glasfenster, mit dem genau zwischen Fenstern ohne Glas und Fenstern mit Glas unterschieden werden konnte.
Das Fensterln
Über mehrere Jahrhunderte hinweg war das Fenster ein Begegnungsort für junge Menschen. Junge Burschen kletterten auf Leitern zum Fenster ihrer Angebeteten und baten um Einlass. Für diese Begegnungen ist seit dem 16. Jahrhundert das Wort fensterln gebräuchlich. Eine beinahe schon poetische Erläuterung des Wortes fensterln bietet der Lexikograph Johann Andreas Schmeller Ende des 19. Jahrhunderts: „An dem Fenster (einer jungen unverheirateten Frau) seufzen die noch unerhörten ländlichen Liebhaber, freuen sich ihres Glückes die Erhörten, jammern und verzweifeln oder trotzen und schelten die Verschmähten“.
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