An der Südwand der Stadtpfarrkirche St. Andrä am Mirabellplatz befindet sich ein markantes Metallkreuz, das im Salzburger Stadtbild leicht übersehen wird und doch eine besondere kunsthistorische Bedeutung besitzt.

Von Karl Traintinger
Das sogenannte Silveri-Kreuz, 1952 vom Grazer Bildhauer Alexander Silveri geschaffen, ist ein markantes Werk der Nachkriegszeit. Drei Meter hoch, 450 Kilogramm schwer und aus Eisenguss gefertigt, besitzt es eine kraftvolle, spröde Präsenz.
Ursprünglich entstand das Kreuz als freie Arbeit zur Eröffnung des Künstlerhauses in Graz. Über den Verleger Otto Müller kam es nach Salzburg und wurde der Andräkirche gestiftet. Dort blieb es wegen seiner damals als zu modern empfundenen Gestaltung 18 Jahre lang unaufgehängt. Erst später wurde es restauriert und an der Südseite der Kirche angebracht. Die Andräkirche war im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt worden und wurde in vereinfachter Form wieder aufgebaut. In diesem Umfeld erhielt das Kreuz seinen Platz als Zeichen von Erinnerung und Neubeginn.
Christus erscheint hier nicht als leidender, ans Kreuz genagelter Körper, sondern als entrückte, fast schwebende Gestalt. Nägel sind nicht zu sehen, die Passion scheint überwunden. Mit offenen Augen und ruhiger, beinahe majestätischer Haltung steht Christus für etwas Jenseitiges, Zeitloses. Sonne und Mond begleiten ihn und geben der Darstellung eine kosmische Dimension.
Auffällig sind die ausgestreckten Arme mit den aufgerichteten Händen. Sie wirken nicht nur segnend, sondern auch abwehrend – als würde Christus das Unheil zurückweisen. An den Enden der Querbalken stürzen kleine, verzerrte Gestalten in die Tiefe. Man kann sie als Dämonen lesen, aber auch als Sinnbilder einer zerstörten Welt nach dem Krieg.
Besonders eindrucksvoll ist der untere Teil des Kreuzes. Dort öffnet sich eine höhlenartige Form, in der eine schwangere Eva liegt – geborgen und zugleich gefährdet. Sie steht für Weitergabe des Lebens, für Verletzlichkeit und Hoffnung. Das Silveri-Kreuz ist damit nicht bloß ein Kunstwerk an einer Kirchenwand, sondern ein starkes Bild für Bedrohung, Trost und Neubeginn.





Alexander Silveri (1910–1986) war ein österreichischer Bildhauer aus Graz. Bekannt wurde er vor allem durch großformatige sakrale Arbeiten aus Metall und Stein. Seine Werke verbinden expressive Formen mit einer klaren, modernen Bildsprache und prägten die religiöse Kunst in Österreich nach 1945.

Freunde helfen der Dorfzeitung
Freunde helfen der Dorfzeitung durch ein Abo (=Mitgliedschaft)! Wir sind sehr stolz auf die Community, die uns unterstützt! Auf diese Weise ist es uns möglich, unabhängig zu bleiben. Ihre laufende Unterstützung macht den Unterschied.
Es gibt zwei einfache Wege, zum Freund der Dorfzeitung zu werden.
Überweisung der Abogebühr (ohne Kreditkartenabo)
Sie werden für ein Jahr ein außerordentliches Vereinsmitglied (ohne Rechte und Pflichten) des Herausgebervereins (Kulturverein Dorfzeitung KULTUR online) zum Jahrespreis von 54 €. Es ist dazu ihre Post- und E-Mailadresse notwendig, damit wir die Rechnung für den Mitgliedsbeitrag schicken können. Nach Eingang der Zahlung bekommen Sie einen Steady-Gastzugang für 1 Jahr. Verlängerungen sind möglich. Kontaktformular >
Direktabo mit Kreditkartenzahlung
Ein weiterer Weg ist ein Direktabo via Steady, wie es im Folgenden beschrieben und angeboten wird.
INSERT_STEADY_CHECKOUT_HERE

Kommentar hinterlassen zu "Das Silveri-Kreuz an der Andräkirche"