Man geht leicht daran vorbei: zwei kleine Steinstufen an einer Säule des Hofbogengebäudes, dort, wo die Franziskanergasse in den Domplatz übergeht. Unspektakulär wirken sie und erzählen doch ein bemerkenswertes Stück Stadtgeschichte. Denn bei diesen Stufen handelt es sich um das sogenannte Spuckpodest, einen kleinen Pranger, der in der Frühen Neuzeit eigens für Beamte gedacht war.

Von Karl Traintinger
Hier wurden Beamte aus der nahen Residenz vorgeführt, denen Veruntreuung oder grobe Pflichtverletzung vorgeworfen wurde. Angekettet und für alle sichtbar, waren sie dem Spott der Bevölkerung ausgesetzt – bis hin zum Bespucken. Anders als der große Pranger am Waagplatz und später am Marktplatz war dieses Podest die kleinere, gezieltere Variante: gedacht für jene, die das Vertrauen ihres Amtes missbraucht hatten.
Dass diese Ehrenstrafe gerade Beamte traf, war kein Zufall. Als Vertreter des Landesherrn standen sie in besonderer Treue- und Verantwortungspflicht. Wer in dieser Funktion Gelder veruntreute oder seine Aufgaben gröblich verletzte, beschädigte aus damaliger Sicht nicht nur einzelne Bürger, sondern die Autorität des Fürsten selbst. Der Standort nahe der Residenz war daher bewusst gewählt: Kollegen, Vorgesetzte und Stadtbevölkerung sollten den Gesichtsverlust unmittelbar sehen. Das Spuckpodest war damit auch ein öffentliches Disziplinierungs- und Abschreckungsinstrument.
Das Hofbogengebäude stammt aus dem Jahr 1606. Ob die Stufen von Anfang an diese Funktion hatten oder erst später dazu kamen, ist nicht gesichert. Auch wann das Podest zuletzt genutzt wurde, weiß man nicht. Mit dem Wandel des Strafrechts im 18. und 19. Jahrhundert verschwanden solche Ehrenstrafen nach und nach.

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