Dennis Kornblum: Der Eklat

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Autor: Dennis Kornblum
Titel: Der Eklat
Genre: Bellestristik, Gegenwartsliteratur (ab 1945)
ISBN: 978-3-96290-053-3
Verlag: Kuuuk Verlag
Erschienen: 30.06.2026

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Klappentext:

Der umstrittene Schriftsteller Jascha Wrobel evoziert in einer Talkshow des öffentlich-rechtlichen Rundfunks einen Skandal. – Ziemlich genau neun Wochen später diskutieren der Moderator und ein Journalist namens Hagen über die Hintergründe und Auswirkungen des Vorfalls. Was ist da passiert? Welche Vorgeschichte kennt man?

Die Journalistin Jasmina Lorentz hat sich in den vergangenen Jahren zur Hauptgegnerin Wrobels entwickelt, sich immer wieder über dessen disputable Aussagen zu sensiblen gesellschaftlichen und politischen Fragen empört. Dabei hat sie versucht, ihn in ein Korsett ideologischer Hetzerei und Frauenfeindlichkeit zu zwängen, und schließlich Wrobels künstlerische Verantwortung und generell seine Kompetenz in Frage gestellt.

Zusätzlich hatte sie in einem aufsehenerregenden Online-Artikel eine sehr persönliche Bemerkung zu Wrobels türkischstämmiger Ehefrau gemacht. Wenige Wochen nach Erscheinen des Artikels eskalierte die Fehde der beiden in einer legendären, dreizehnminütigen Talkshow-Livesequenz.

Dieser Roman fasst das zusammen, was wir derzeit in so vielen Teilen der Gesellschaft entdecken: Spaltung, überzogene Polarisierung, Wunden, Verletzungen, Extreme … und Ereignisse, die niemand braucht. Kornblum hat den „Skandalautor“ als Modell-Vorlage gewählt und alles in deutlichem Ton, auch bis ins wechselhafte, auch aufregende Denken des Schriftstellers Wrobel hinein, ausgeleuchtet.

Anna Lemberger

Rezension von Anna Lemberger

Ein Buch über das Spiegelbild einer polarisierten Debattenkultur.

Neun Wochen nach dem großen Skandal im öffentlich-rechtlichen Fernsehen lädt Moderator Dirk Götz den Journalisten Hagen ein. In einem zweistündigen Live-Forum wollen sie die Eskalationsstufen rekonstruieren. Hagen versuchte damals, in dieser fatalen Talkshow-Runde eine neutrale Position einzunehmen. Nun trifft er auf ein Aufgebot, das von Anfang an auf Konflikt gebürstet war. Der Schriftsteller Jascha Wrobel und die Journalistin Jasmina Lorentz gerieten bereits mehrfach aneinander. Diese Konstellation zeigt, wie stark moderne Talkformat-Redaktionen auf Provokation und Spektakel setzen. Ein echter Diskurs bleibt dabei oft auf der Strecke. Die Stimmung ist schon zu Beginn aufgeheizt und wird schnell persönlich. Warum Wrobel jedoch die Kontrolle verlor, soll die Aufarbeitung der Ereignisse entschlüsseln. Zuvor begibt sich Hagen auf Spurensuche und führt Interviews. So will er Licht in den skandalösen Abend bringen.

Dennis Kornblum stellt zwei konträre Persönlichkeiten gegenüber. Sie stehen stellvertretend für eine bedenkliche Entwicklung in Medien und Gesellschaft. Die gemäßigte Mitte bricht weg und weicht einem starren Schwarz-Weiß-Denken. Zwischen den Rändern klafft eine riesige Lücke, die Medien oft noch vergrößern. Kornblum verortet die Protagonistin Jasmina Lorentz am links-woken Rand. Ihren Gegenspieler, den Autor Jascha Wrobel, siedelt er mitte-rechts an. Doch das mediale Schubladendenken greift zu kurz. Wrobel ist mit einer türkischstämmigen Frau verheiratet. Das passt ebenso wenig ins klassische rechte Feindbild wie seine scharfe Ablehnung der FDP. Seine Kritik an der liberalen Politik klingt eigentlich eher links. Er glaubt, dass Reiche „auf Kosten der Armen noch reicher“ werden. Trotzdem drängt Lorentz ihren Kontrahenten unermüdlich ins rechte Eck. Je mehr sie ihn abstempelt, desto weiter driftet er tatsächlich dorthin ab.

Das Cover präsentiert sich geheimnisvoll, gibt wenig preis und weckt gezielt Neugier. Der Buchaufbau ist ungewöhnlich und verzichtet auf starre Kapitelstrukturen. Das erfordert zu Beginn erhöhte Aufmerksamkeit. Die Einleitung ebnet jedoch gekonnt den Weg zu einem fesselnden Hauptteil. Das Geschehen wird hauptsächlich aus der Perspektive beider Diskussionsteilnehmer beleuchtet. Geschickte Rückblenden führen zu vergangenen Ereignissen, Buchinhalten und Interviewergebnissen. Auch der eigentliche Auslöser des Skandals kommt aus der Erzählposition zu Wort. Der Autor beleuchtet dabei dessen Sichtweise.

Während sich Kornblum anfangs bedeckt hält, spricht er vage „vom Eklat“. Nach und nach öffnet er die Tür zu den tatsächlichen Geschehnissen. Sie hinterließen körperliche und psychische Verletzungen. Je mehr über Wrobels Lebensgeschichte bekannt wird, desto greifbarer wird seine Provokation. Die Reportagen und persönlichen Übergriffe seiner Gegenspielerin haben ihn stark provoziert. Gegen Ende fügen sich wichtige Puzzleteile zusammen. Dennoch bleibt manches im Dunkeln. Den Schluss überlässt Kornblum gekonnt der Fantasie seiner Leserschaft.

Ein gelungenes, authentisches und stark gesellschaftskritisches Buch. Es legt den tiefen Riss innerhalb unserer Debattenkultur offen. Feinfühlig und tiefgründig hält Dennis Kornblum der Gesellschaft den Spiegel vor. Das gilt insbesondere für den Medienbetrieb. Er entlässt eine bewegte und nachdenkliche Leserschaft. Eine klare Leseempfehlung für alle, die über den Tellerrand blicken möchten. Gelegentliche Fach- und Fremdwörter sollten dabei nicht stören.


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