Es war einmal ein böser Wolf, der ging in Fischtagging spazieren. Als er beim Wirt vorbeikam, duftete es schrecklich gut nach einem Bratl mit Knödel und Krautsalat.

Von Michael Honzak
Seekirchen
Der Wolf, nicht faul, bestellte gleich ein solches Bratl und dazu ein Bierli.
Blöderweise setzte er sich geradewegs an meinen Tisch. Ich kann im Allgemeinen Tiere gut leiden, doch einen bösen Wolf mochte ich noch nie. Auch wenn er noch so manierlich mit Messer und Gabel umgehen konnte.
Um ihm den Appetit zu verderben, fragte ich ihn, wie es wohl dem Rotkäppchen so ginge. Ich dachte, das würde ihm das Brat’l etwas aufstoßen lassen. Doch er grinste nur hämisch und meinte, diese Geschichte ginge ihn nichts an. Das wäre wohl was für Kinder, nichts aber für einen richtigen Wolf und bestellte zwei Williamsbirnen. Ich war eingeladen.
Wir stießen an und der Wolf lachte, dass seine Raubtierzähne im Sonnenlicht nur so funkelten. Ich bekam eine Gänsehaut.
Die Geschichte von den sieben Geißlein habe ihn auch sehr amüsiert. Die erzähle ich heute noch ganz gern meinen Kleinen, sagte er.
Ich war erstaunt. Wieviel „Kleine“ er denn habe, frug ich ihn. Fünf, antwortete er. Der Älteste studiert Geschichte und Geographie. Der wird einmal Professor. Da hat er viele Ferien und pragmatisiert wird er auch.
Aha, ist ja interessant, meinte ich und zündete mir eine Krumme an.
Ganz im Vertrauen, der Wolf wurde mir immer unheimlicher.
Er schien so menschlich.
Seine Jüngste sei noch im Kindergarten, doch im Herbst geht’s in die erste Klasse. Das würde was werden. Nicht mehr lange und auch sie kann das Fernsehprogramm lesen.
Meine Güte dachte ich, das ist ja wie bei mir zu Hause. Das nächste Bierli ließ nicht lange auf sich warten und wir prosteten uns zu. In der Abenddämmerung verließen wir Fischtagging, zuvor verabredeten wir ein Wiedersehen.
Ich spazierte nach Hause, der Wolf verschwand im Gehölz.
Tja, da hatte ich heute wieder was gelernt.
Mag einer auch aussehen wie ein Wolf, man kann sich täuschen. Und so mancher, der recht sanft und freundlich tut, erweist sich plötzlich als Klapperschlange.
Das mit der Klapperschlange ist übrigens eine andere Geschichte.
Die Klapperschlange habe ich bei uns im Kaffeehaus getroffen. Das war vielleicht ein Ding. Prost Mahlzeit.

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