Der Bonze: Wie aus einem Priester ein Parteifunktionär wurde

Buddhistischer Mönch im Salzkammergut

Buddhistischer Mönch im Salzkammergut | Foto: © Karl Traintinger

Dem Wort Bonze ist sein japanischer Ursprung heute nicht mehr anzusehen. Denn das Wort geht zurück auf japanisch bōzu „buddhistischer Priester“.

Michaela Essler

Buddhistische Priester

Portugiesische Händler und Missionare, die in Japan Kontakt mit den ortsansässigen Menschen pflegten, brachten im 16. Jh. das Wort nach Europa. Im Portugiesischen erhielt japanisch bōzu die Form bonzo, woraus die Franzosen französisch bonze machten. In dieser Form kam das Wort ins Deutsche. In Europa verwendeten die Menschen das Wort Bonze zunächst ausschließlich als Bezeichnung für buddhistische Priester in Japan und China, später auch für Priester in Indien.

Europäische Priester und Würdenträger

In literarischen Kreisen des 17. Jh. begegnet das Wort Bonze nach und nach auch als Schimpfwort für europäische Priester. Diese Bezeichnung verdienten sich zumeist bigotte geistliche Herren, deren Verhalten bei den Menschen Verachtung hervorrief. Im Lauf der Zeit war die abfällige Bezeichnung Bonze nicht mehr nur den Geistlichen vorbehalten. Auch für Würdenträger und Politiker war es in den Augen der Menschen eine passende Bezeichnung.

Parteibonze und Gewerkschaftsbonze

Im 19. Jh. wurde das Wort dann in der Arbeiterbewegung beliebt. Zunächst war es eine spöttische Bezeichnung für Parteifunktionäre und Gewerkschafter, die öffentliche Ämter innehatten. Mit der Zeit verwendeten die Arbeiter Bonze auch für hohe Parteifunktionäre, die ihr Amt nutzten, um für sich selbst Vorteile zu erlangen. Der Parteibonze und der Gewerkschaftsbonze waren geboren.

Oberbonzen und andere Bonzen

Gegen Ende des 19. Jh. wird Bonze in der Arbeitersprache zu einer allgemeinen abfälligen Bezeichnung für Höherstehende. So sind in der 1889 gegründeten österreichischen Arbeiter Zeitung bis in die 1920-er Jahre für alle, die keine Arbeiter sind, Bonze oder Oberbonze die üblichen Bezeichnungen.

Und damit die vielen Bonzen unterscheidbar bleiben, werden diese nun näher spezifiziert: Bonzen der Wissenschaft und der schönen Künste, Bonzen der Literatur, militärische Bonzen, liberale Bonzen, klerikale Bonzen, christlichsoziale Bonzen, bürgerliche Bonzen, usw.

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