Der „Goldene Ritter“ von Bad Tölz

Der „Goldene Ritter“ von Bad Tölz

Wer durch die historische Marktstraße von Bad Tölz spaziert, kommt an ihm kaum vorbei: Auf einem steinernen Sockel steht die überlebensgroße Bronzefigur des Kaspar III. Winzerer. Das Bronze-Denkmal erinnert an einen Ritter und Amtsträger, dessen Name eng mit der Stadtgeschichte verbunden ist.

Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Kaspar III. Winzerer lebte von 1475 bis 1542. Er stammte aus dem bayerischen Adelsgeschlecht der Winzerer und diente den bayerischen Herzögen sowie dem habsburgischen Kaiser. Bekannt wurde er als Ritter, militärischer Befehlshaber und herzoglicher Pfleger von Tölz.

Als Pfleger vertrat Winzerer die Landesherrschaft vor Ort. Zu seinen Aufgaben gehörten Verwaltung, Rechtsprechung und die Wahrung der öffentlichen Ordnung. Im Volksmund ist er bis heute als „Goldener Ritter“ bekannt – ein Beiname, der das Bild des wehrhaften Ritters widerspiegelt.

Das heutige Denkmal entstand 1887. Geschaffen wurde es von Ferdinand von Miller dem Jüngeren, einem Bildhauer und Erzgießer aus der bekannten Münchner Familie von Miller. Sein Vater war maßgeblich am Guss der Münchner Bavaria beteiligt.

Winzerer ist in vollständiger Rüstung dargestellt. Vier Bronzereliefs am Sockel greifen Stationen aus seinem Leben auf. Der Standort im oberen Teil der Marktstraße wurde bewusst gewählt: In unmittelbarer Nähe steht das ehemalige Pflegerhaus, der frühere Amts- und Wohnsitz des herzoglichen Pflegers.

Das Denkmal erinnert zugleich an die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71. Damit verband die Stadt das Gedenken an ihre Kriegstoten mit der idealisierten Gestalt eines Ritters aus der eigenen Geschichte.

Heute steht der „Goldene Ritter“ zwischen Lüftlmalereien, Geschäften und Straßencafés. Für Besucher ist er ein markanter Blickfang – und ein Zeugnis der eng verbundenen Stadt- und Erinnerungsgeschichte von Bad Tölz.

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