Die Universität Mozarteum bringt zwei einaktige Opern zur Aufführung, deren Komponisten Holocaust-Erfahrung hatten. Viktor Ullmann (1898-1944) komponierte „Der Kaiser von Atlantis“ im Konzentrationslager Theresienstadt. Simon Laks (1901-1983), der Auschwitz überlebte, schrieb „L’Hirondelle inattendue“ erst 1965.

Rund um die Aufführung finden verschiedene künstlerische und wissenschaftliche Veranstaltungen statt, die Leben und Leiden der beiden Komponisten näher beleuchten. Viel Applaus am 9. Dezember 2025 im Max Schlereth Saal für eine bildgewaltige Umsetzung zweier märchenhafter Geschichten.
Im Prolog zu „Der Kaiser von Atlantis“ stellt uns ein Lautsprecher die handelnden Personen vor. Harlekin und Tod sind unzufrieden, denn niemand will mehr lachen und auch das Sterben wird nicht ausreichend gewürdigt. Als der Kaiser den ultimativen Krieg erklärt, alle gegen alle, ist der Tod entsetzt und beschließt zu streiken. Die Menschen können nun nicht mehr sterben. Erst wird eine neue, seltsame Krankheit vermutet. Der größenwahnsinnige Kaiser aber glaubt, die Unsterblichkeit entdeckt zu haben. Die Welt kommt nicht mehr zur Ruhe und bald ist der Kaiser dem Wahnsinn nahe. Der Tod kennt einen Ausweg. Ob der Kaiser damit einverstanden sein wird?

Diese groteske Parodie spielt auf einer schrägen, schwarz-weißen Bühne. Hier schaufelt der Tod (Dominik Schumertl) ein Grab. Verzweifelt versucht Harlekin (Yonah Raupers) die Menschen zu unterhalten. Kaiser Overall (Jakob Schett) denkt jedoch nur an seinen Krieg. Ein Soldat (Lukas Pellbäck) kämpft mit einer Soldatin (Sophie Schneider). Da sie sich nicht töten können, träumen sie in einem Duett vom Frieden. Ullmanns Musik pendelt zwischen Tradition und Moderne, ist avantgardistisch, aber nicht atonal.
Laks „L’Hirondelle inattendue“ (Die unerwartete Schwalbe) spielt im selben Bühnenbild, doch sorgen nun Gräser und Pflanzen für eine heimelige Atmosphäre. Hier müssen ein Journalist (Lukas Pellbäck) und ein Pilot (Maksim Smirnov) notlanden. Sie befinden sich im Paradies der berühmten Tiere und werden von der Taube aus der Arche Noah (Anastasia Fedorenko) begrüßt. Neben den Gänsen des Kapitols, dem Bären von Bern (Elias Mädler) und der Schildkröte des Aischylos (Sveva Pia Laterza) gibt es noch jede Menge andere merkwürdige Tiere. Die Ankunft einer Schwalbe ohne Flügel (Zahra Sebnat) sorgt für Aufregung. Sie singt stets dasselbe Lied „Man nennt mich die Schwalbe der Vorstadt, ich bin nur ein armes Freudenmädchen“. Die Schönheit der einfachen Melodie verzaubert alle. Große Verwirrung herrscht, als auch am Tor zum Paradies der Menschen eine Vorstadt-Schwalbe erscheint. Was kann das nur für ein Wesen sein, das an mehreren Orten zugleich ist und Anspruch auf Aufnahme erhebt? Das muss wohl an dem rätselhaften Chanson liegen. Larks Musik erinnert an Ravel und Poulence und betont den phantastischen, märchenhaften Charakter dieses absurden Musiktheaters.

Für die Universität Mozarteum wurde eine Kammerfassung von Larks Oper erstellt. Die schlankere Instrumentierung erzeugt auf der Bühne eine Leichtigkeit, die perfekt zum Charakter dieser Opéra bouffe passt.
Die beide Opern sind ganz unter dem Eindruck von Verfolgung und Entrechtung im Dritten Reich entstanden. Leider ist die Thematik 80 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges noch immer bzw. schon wieder aktuell. Gratulation an die Opernklasse der Universität Mozarteum von Florentine Klepper (Regie) und Kai Röhring am Pult des ARCOENSEMBLE für zeitgenössische Musik für einen ganz außergewöhnlichen Opernabend.
„Der Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung“ – Spiel in einem Akt von Viktor Ullmann und Peter Kien. „L’Hirondelle inattendue“ – Opéra bouffe in einem Akt von Simon Laks nach dem Radiostück „L’Hirondelle du faubourg“ von Claude Aveline. Libretto von Henri Lemarchand. Fassung für Kammerorchester von Tobias Leppert. Musikalische Leitung: Kai Röhrig. Szenische Leitung: Florentine Klepper. Bühne: Valentina Vorwahlner. Kostüm: Caroline Ulmar, Lucas Bertin. Dramaturgie: Heiko Voss, Jurij Kowol. ARCOENSEMBLE für zeitgenössische Musik. Mit: Maksim Smirnov, Jakob Schett, Elias Mädler, Bence Szabo-Veress, Dominik Schumertl, Yonah Raupers, Lucas Pellbäck, Claire Winkelhöfer, Sophie Schneider, Sveva Pia Laterza, Michael Dietrich, Anastasia Fedorenko, Julia Annina Stocker, Zahra Sebnat, Gabriel Rupp, Dario Bogdan Boja, Vsevolod Chernyshev, Anna Fechner, Laura Igl, Sarah Stach Villegas, Sylvia Kreuzeder, Quentin Pierre Péatier. Fotos: Mozarteum © Sven-Kristian Wolf

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