Der Salzburger „Josef Thorak Pavillon“

Der Salzburger "Josef Thorak Pavillon"

Erinnerung nach politischer Wetterlage

Salzburg arbeitet seine rostige Vergangenheit auf – zumindest jene Teile, die wenig Stress verursachen. Eine Straße jagt die nächste aus dem Stadtplan, auf prominente Namensgeber wird offenbar deutlich großzügiger vergessen. Erinnerung ist schließlich auch eine Frage der politischen Rendite: Was Schlagzeilen erzeugt, wird korrigiert, wer Euronen bringt, darf bleiben.

Weniger Eifer zeigt die Stadt beim Zwerglgartenpavillon. Der wird zwar regelmäßig von Stadtgalerie und Sommerakademie bespielt, auf seine rostige Vergangenheit wird aber gern großzügig vergessen. Bei der jüngsten Vernissage standen so viele Politiker herum, dass man im Handumdrehen eine Erinnerungstafel hätte beschließen können – notfalls zwischen Salzstangerl und Grußworten.

Immerhin erwähnte der dunkelrote Vizebürgermeister Kay-Michael Dankl in seiner Ansprache den im schönen Streiflicht stehenden Kopernikus von Nazi-Künstler Josef Thorak. Dass der zehn Tonnen schwere Koloss seit 1950 – seit der großen Thorak-Ausstellung – neben dem extra für die Ausstellung erbauten Thorak-Pavillon steht, blieb allerdings unerwähnt. Ebenso die Frage, warum man im und um den Pavillon gern Kultur macht, über seine Geschichte aber lieber den Vorhang zieht.

So werden Straßennamen medienwirksam umgetauft, während andere, rostige Erinnerungsorte friedlich vor sich dämmern. Salzburg erinnert sich also durchaus. Nur eben selektiv und am liebsten dort, wo die Vergangenheit politisch nicht allzu unbequem wird.

Siehe auch:
Stadtgalerie Zwergelgarten >
Anselm Wagner: Ein Pavillon für die Kunst im Salzburger Mirabellgarten >


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