Mein Lieblingstier heißt Winter
Mit seinem Debütroman gewann der österreichische Schriftsteller Ferdinand Schmalz 2017 den Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb. Das Schauspielhaus Salzburg bringt mit Puppenspiel-Unterstützung eine Bühnenfassung des Werks zur Aufführung. In der Regie von Fanny Brunner werden dem Publikum mit viel Sprachwitz Geschichten vom Leben und Sterben serviert. Die umjubelte österreichische Erstaufführung fand am 23. Jänner 2026 im Studio statt.

Eine Kommissarin freut sich über den neuen, äußert komplexen Kriminalfall. Es geht um den Tiefkühlkost-Lieferanten Franz Schlicht. Dieser erhält von Doktor Schauer, der eine Vorliebe für Rehragout hat, ein unmoralisches Angebot. Der sterbenskranke Doktor will seine Todesart selbst bestimmen und sich mit Schlaftabletten in einer Tiefkühltruhe einfrieren lassen. Franz Schlicht soll sich dann um seine Leiche kümmern. Leider ist zum vereinbarten Termin aber die Tiefkühltruhe leer und Schauer verschwunden.

Die Tochter des Vermissten ersucht nun Franz Schlicht, ihren Vater zu suchen. Es beginnt eine absurde Reise quer durch die österreichische Gesellschaft und das bei tropischen Temperaturen. Der Nachbar des Verschwundenen ist ein Eigenbrötler, der sich selbst eingemauert hat. Er schickt Schlicht zu Frau Dr. Bitter, einer Schmerztherapeutin, die Schauer palliativ behandelt. Bei seiner Suche trifft er auf die Tatortreinigerin Sabine Teufel. Auf diese Dame ist er aber gar nicht gut zu sprechen, denn ihr verdankt er seine trostlose finanzielle Lage. Gemeinsam erpressten sie einst Ministerialrat Kerninger mit seinem dubiosen Nazi-Weihnachtsschmuck. Leider machte sie sich mit dem Geld aus dem Staub.




Schlichts bester Freund Fabian trauert um seinen roten Kanarienvogel, der böswillig ermordet wurde. Die Suche nach Doktor Schauer wird immer grotesker. Nach einem Abstecher in einen stillgelegten Dino-Park landet Franz Schlicht schließlich schwer verletzt in der Notarztambulanz.
Nur Franz Schlicht (Jan Walter) und die Kommissarin (Elisabeth Kanettis), die sich gerne mit einem Bier beruhigt, zeigen menschliche Züge. Der Rest des Ensembles versteckt sich hinter diversen Puppen und Masken. Entzückend die zierliche Frau Dr. Bitter, riesengroß hingegen der alte Nazi Kerninger in seinem braunen Anzug. Um ihn auf die Bühne zu hieven, braucht es vier Personen. Der ukrainische Gast Marko Sonkin glänzt als Gatte von Frau Dr. Bittner mit einem Monolog über die Vorteile eines künstlichen Komas. Wolfgang Kandler versteckt sich hinter den großartigen Masken des Nachbars und der Frau Teufel. Zwischendurch schlüpft er zudem in die Rolle der grazilen Ärztin. Auch für eine Liebesgeschichte ist noch Platz in dem kuriosen Treiben, denn Astrid Schauer (Almut Schäfer-Kubelka) findet Gefallen an Franz Schlicht. Katharina Halus und Noah Löffelberger ergänzen die skurrile Gesellschaft. Die musikalische, sehr österreichische Untermalung mit Zitherklängen stammt von Alex Konrad.
Die rhythmische Prosa und dialektale Kunstsprache des Autors verleihen dem morbiden Stück einen ganz besonderen Reiz. Wer sich einlässt auf diese bitterböse, glühend heiße Reise durch die österreichische Seele, wird den Winter schnell vergessen und sich bestens unterhalten.





„Mein Lieblingstier heißt Winter“ – von Ferdinand Schmalz. Österreichische Erstaufführung | Schauspielhaus Salzburg | Regie: Fanny Brunner. Bühne und Kostüme: Daniel Angermayr. Musik: Alex Konrad. Puppenspielkonzept: Katharina Halus. Puppenbau: Gerti Tröbinger, Anna Travaglia, Katharina Halus. Dramaturgie: Alexander Kratzer. Mit: Jan Walter, Elisabeth Kanettis, Katharina Halus, Almut Schäfer-Kubelka, Wolfgang Kandler, Noah Löffelberger, Marko Sonkin. Fotos: Schauspielhaus Sbg © Erika Mayer

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