„Die Laborantin“ – Der Druck nach Leistungsoptimierung

Praktikantin

In dem dystopischen Stück der englischen Schauspielerin und Autorin Ella Road bestimmen alleine die Blutwerte Karriere und Partnerschaft. Traumjob und Traumpartner gibt es nur bei gutem Rating. Die beklemmende Versuchsanordnung in einer sehr klaren und daher überaus bedrohlichen Inszenierung von Petra Schönwald feierte am 31. Jänner 2023 im Schauspielhaus Salzburg Premiere.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Bea arbeitet als Laborantin in einer großen Klinik und führt Blutuntersuchungen durch. Ein Computer errechnet unter Berücksichtigung von Erbkrankheiten und Gendefekten den Gesamtwert auf einer Skala von 1 bis 10. Sie selbst hat 7,1 aufzuweisen und ist schwer beeindruckt, als sie den smarten Studenten Aaron kennenlernt, schließlich hat dieser 8,9 zu bieten. Das verheißt eine steile Karriere und gesunden, intelligenten Nachwuchs.

Beas Freundin Char ist Aktivistin und hält nichts von diesem Rating-Unfug. Durch die Erbkrankheit Chorea-Huntington ist sie mit 2 in einen Low-Rate-Status gerutscht und das würde für sie beruflich und privat das Ende bedeuten. Sie bedrängt daher Bea, für sie den Test zu fälschen. Diese merkt schnell, dass das ein sehr lukrativer Nebenverdienst sein könnte, und bald schon dealt sie nicht mit Drogen, sondern mit Blut.

Praktikantin

Aaron ist zwar immer noch in Ausbildung, doch dank ihrer vielen „Gehaltserhöhungen“ können sie sich endlich eine schöne, große Wohnung leisten. Kein Wunder, dass sie beginnt, an Nachwuchs zu denken. Char will hingegen die Welt retten, radelt als Aktivistin durch die Weltgeschichte und will jetzt sogar nach Amerika fliegen, um dort die Rating-Gegner bei ihren Kampagnen zu unterstützen. Sie taucht daher wieder bei Bea auf, denn nur mit einer aktuellen 8 kann sie ein Visum bekommen. Die endlich schwangere Bea hat aber im Moment ganz andere Probleme.

Das sehr abstrakte Bühnenbild mit den riesigen Lautsprechern (Ausstattung: Theresa Scheitzenhammer) lässt wenig Gefühle zu. Die Protagonist*innen tragen dezente Fitnesskleidung, werfen sich im Labor einen Schutzmantel über und auf der Straße einen Steppmant…

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