Die österreichische Seele

Fussball

Fussball | Foto: Karl Traintinger

Österreich steht bei einer Fußball-Endrunde auf dem Platz, und schon gibt sich das Land, als hätte es den Sport erfunden. Das rot-weiß-rote Herz pocht hörbar, und in jeder Wirtshausrunde sitzt plötzlich ein Teamchef. Der heimische Fußballoptimismus lebt von einer alten Verheißung: Alles ist möglich.

Zum kleinen Triumph reicht hierzulande oft schon der Blick über die Grenze. Die Deutschen sind ausgeschieden — und für viele fühlt sich das bereits wie der eigentliche Turniersieg an. Man muss in Österreich nicht immer selbst ganz oben stehen; oft genügt es, wenn der große Nachbar nicht als strahlender Sieger dasteht. Aus sportlichem Ehrgeiz wird so nationale Seelenpflege durch Schadenfreude.

Der geübte Österreicher hat sich längst damit arrangiert, dass die deutsche Nationalmannschaft früher die Koffer packen muss. Das schont die Selbstkritik. Noch könnten wir die Spanier schlagen — die Hoffnung stirbt zuletzt. Schlechter als die Germanen kann es kaum laufen, und allein das kommt hierzulande fast schon einem Feiertag gleich, meint ein lächelnder Spaziergänger.


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