Thomas Reinhold zeigt in seinen Arbeiten eine faszinierende Erkundung malerischer Räumlichkeit. Der Wiener Künstler verzichtet bewusst auf den Pinsel – stattdessen wird die Farbe geschüttet, geschichtet und fließend in Beziehung gesetzt. Seine Werke sind autonome Kompositionen, die durch überlagernde Farbschichten eine eigene Tiefe entwickeln. Reinholds puristische Herangehensweise reduziert die Malerei auf ihr Wesentliches: Struktur, Prozess und Materialität.

Von Karl Traintinger
Reinholds Technik ist präzise geplant und doch von intuitiver Spontanität geprägt. Transparente und opake Schichten bilden netzartige Strukturen, während dünne Rinnsale und leuchtende Farbflächen lebendige Kontraste schaffen. Die Bilder wirken wie archäologische Querschnitte, in denen Zeit und Bewegung sichtbar werden. „Mein Interesse gilt dem Strukturellen und Prozessualen“, erklärt der Künstler.
Seit den 1980er-Jahren hat Reinhold eine unverwechselbare Handschrift entwickelt, die zwischen Konzept und Materialexperiment oszilliert. Seine Werkreihen erforschen systematisch die Möglichkeiten des Bildaufbaus. Diese prozesshafte Denkweise macht seine Kunst zeitgemäß: Sie verweigert sich der statischen Form und bleibt stets in Bewegung.
Internationale Anerkennung fand Reinhold durch seine Glasfenster-Gestaltungen in Brüssel und Graz sowie durch Ausstellungen in London, New York und Basel. Seine Werke sind in renommierten Sammlungen wie der Albertina vertreten. Der Wiener Kunstpreis (2011) unterstreicht seine Bedeutung für die abstrakte Malerei.

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