Ein kleines Kunstwerk erzählt von Hallein, Salzburgs Wehrgeschichte und den Festspielen
Wer vom Toscaninihof zur Edmundsburg hinaufsteigt, begegnet an der Clemens-Holzmeister-Stiege einem ungewöhnlichen Begleiter: Eine steinerne Schlange windet sich dort über den Handlauf nach oben.

Von Karl Traintinger
Die heute Treppenanlage wurde 1936/37 im Zuge der Erweiterung des Kleinen Festspielhauses nach Plänen des Architekten Clemens Holzmeister errichtet beziehungsweise neu geführt. Holzmeister arbeitete bei der künstlerischen Ausstattung eng mit dem Halleiner Bildhauer Jakob Adlhart zusammen, der unter anderem die Genien und den Maskenkopf für das Festspielhaus schuf.
Ein historischer Aufstieg
Der Weg über den Mönchsberg ist jedoch wesentlich älter. Bereits 1654 wurde ein Zugang zum Mönchsbergviertel bewilligt. Die damalige Anlage führte mit 287 Stufen über die Peterswacht-Bastei und war damit zugleich Verkehrsweg und Teil der Salzburger Wehrarchitektur.
Kriegszerstörungen, Umbauten und wiederholte Sperren prägten ihre weitere Geschichte. Beim Ausbau des Kleinen Festspielhauses wurde die Stiege 1937 verlegt. Ihre umfassende Sanierung erfolgte 2010. Heute zieht sie, unmittelbar am Bühnenhaus der Salzburger Festspiele, eine markante Linie zwischen Toscaninihof und Edmundsburg.
„Du kannst das ganz alleine machen“
Die steinerne Schlange entstand im Umfeld der Zusammenarbeit zwischen Holzmeister und Jakob Adlhart. Den Auftrag gab Adlhart an seinen ehemaligen Meisterschüler Josef Magnus weiter. Eine Erinnerung von Vasitti Magnus überliefert den Satz: „Pepi, du warst lange genug bei mir, du kannst das ganz alleine machen.“
Josef Magnus wurde am 26. Mai 1909 in Heidenoldendorf bei Detmold geboren. Nach dem Tod seiner Eltern wuchs er ab seinem 13. Lebensjahr bei Verwandten in Hallein auf. Dort trat er in Adlharts Werkstätte ein. Biografien bezeichnen diese Zeit auch als „Studium bei Jakob Adlhart in Hallein“.




Ein steinernes Detail mit großer Geschichte
So ist die Schlange am Handlauf weit mehr als ein dekoratives Detail. Sie verweist auf die Halleiner Bildhauertradition, auf die Lehrjahre Josef Magnus’ und auf die künstlerische Ausstattung der Festspielarchitektur.
Wer an ihr vorübergeht, bewegt sich zugleich durch mehrere Jahrhunderte Salzburger Geschichte: vorbei an einer einstigen Befestigungsanlage, hinauf zum Festspielhaus und begleitet von einem kleinen Kunstwerk, das beinahe unbemerkt seine eigene Geschichte erzählt.

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