Die Schuhhersteller und das Sterben der Händler

Fußbekleidung vs. Treter

Fußbekleidung vs. Treter | Fotos (5): © Karl Traintinger

Gestern wieder. Ein Vertreter steht in meinem Laden. Ich nenne die Marke nicht. Es ist einer der Großen. Und die Großen haben ein Problem: Ihnen gehen die Händler aus.

Alois Schöninger

Von Alois Schöninger
Hallein, Salzburg

In den noch verbliebenen Schuhhäusern, in den großen Sporthäusern, da verkauft man nur noch die Marken, die jeder kennt. Die sich von selbst verkaufen. Dafür braucht es keine Kenner. Doch selbst diese Tempel des Mainstream wanken. Hervis, zum Beispiel. Oder andere hier in Salzburg, wo man sich fragt: Wie lange noch? Wann dreht der Investor den Geldhahn zu?

Und der klassische Schuhhandel? Er verschwindet. Die Ketten dominieren – doch auch die haben ihre Probleme. Die inhabergeführten Läden? Zugesperrt. Die Besitzer gehen in Pension, und es gibt keine Nachfolger. Das Geschäft ist zu mühsam geworden.

Natürlich gibt es Gründe: die Inflation, der Onlinehandel. Und, praktisch jeder Hersteller verkauft heute selbst – manchmal sogar billiger, als der Händler einkauft. Dass der Händler von seiner Marge leben muss? Interessiert niemanden. Bis die Hersteller plötzlich merken: Händler wehren sich. Oder kaufen nur noch widerwillig ein – ohne Überzeugung, ohne Feuer.

Doch dann – und das ist das Paradoxe – stehen sie plötzlich in meinem Laden. Mein Laden. Dreizehn Jahre lang habe ich nach Herstellern gesucht, die auf Augenhöhe arbeiten. Die den Handel nicht ausbluten lassen, sondern stärken. Heute habe ich sie. Drei Viertel meiner Lieferanten sind solche Partner. Und es werden mehr.

Warum? Weil sie Schuhe machen, die man erklären muss. Schuhe, die etwas bewirken. Die Schmerzen lindern, die Haltung verbessern, das Leben leichter machen. Mode? Trends? Nie mein Thema. Funktion. Hilfe. Dass diese Schuhe heute auch gut aussehen, ist ein Nebeneffekt – oder einfach die Folge von gutem Handwerk.

Mein bester Lieferant hat keinen Online-Shop. „Wir brauchen euch Experten“, sagt er. Der Holländer mit den drei Fabriken in Portugal, der allein im Benelux-Raum 800 (!) Einzelhändler beliefert. Erfolg ist kein Zufall. Mein bester Barfußschuh-Hersteller hält die Preise stabil, betreibt 150 (!) eigene Läden in Deutschland – und steht den Händlern bei, als wären sie Familie. Was sie verbindet? Leidenschaft. Innovation. Der Wille, das Leben der Menschen zu verbessern.

Manche Kunden fahren drei Stunden zu mir. Weil sie mich auf YouTube oder Social Media entdeckt haben. Weil sie die Rezensionen lesen. Weil sie spüren: Hier gibt es Lösungen. Ein Kunde aus Bayern sagte mal: „Ich hatte hohe Erwartungen – und sie wurden zu 100 Prozent erfüllt.“ Solche Sätze sind es, die einen weitermachen lassen.

Hat der stationäre Handel es schwer? Ja. Aber das Problem ist nicht das System. Es ist die Haltung. Erfolgreiche Händler zeigen sich nicht in der Größe ihrer Läden, sondern in ihrer Standhaftigkeit. In ihrer Fähigkeit, Lösungen zu finden – auch gegen die, die plötzlich ihre Ware bei dir sehen wollen. Die, die gestern noch keine Zeit für dich hatten.

Ich bin kein Guru (oder, doch…). Aber ich weiß, was ich anbieten muss. Und 99 Prozent meiner Kunden gehen zufrieden. Manche kommen nach Wochen zurück und erzählen, wie viel besser es ihnen geht. Dass ich mir zwischendurch ein Motorrad leisten kann? Ein schöner Nebeneffekt.

Der Handel stirbt? Vielleicht. Aber nicht hier. Nicht bei denen, die verstehen, dass man mit dem Handel arbeiten muss – nicht gegen ihn. Nicht bei denen, die Lösungen bieten, statt Ausreden zu suchen.

Die Gig-Bock (Schuhe) einiger Musiker

Dorfzeitung.com

Freunde helfen der Dorfzeitung

Freunde helfen der Dorfzeitung durch ein Abo (=Mitgliedschaft)! Wir sind sehr stolz auf die Community, die uns unterstützt! Auf diese Weise ist es uns möglich, unabhängig zu bleiben. Ihre laufende Unterstützung macht den Unterschied.

Es gibt zwei einfache Wege, zum Freund der Dorfzeitung zu werden.

Überweisung der Abogebühr (ohne Kreditkartenabo)
Sie werden für ein Jahr ein außerordentliches Vereinsmitglied (ohne Rechte und Pflichten) des Herausgebervereins (Kulturverein Dorfzeitung KULTUR online) zum Jahrespreis von 54 €. Es ist dazu ihre Post- und E-Mailadresse notwendig, damit wir die Rechnung für den Mitgliedsbeitrag schicken können. Nach Eingang der Zahlung bekommen Sie einen Steady-Gastzugang für 1 Jahr. Verlängerungen sind möglich. Kontaktformular >

Direktabo mit Kreditkartenzahlung
Ein weiterer Weg ist ein Direktabo via Steady, wie es im Folgenden beschrieben und angeboten wird.

INSERT_STEADY_CHECKOUT_HERE

Kommentar hinterlassen zu "Die Schuhhersteller und das Sterben der Händler"

Hinterlasse einen Kommentar