Fast jede Woche liest man davon. Es ist kein einzelner Vorfall mehr, kein Ausrutscher. Es ist ein Muster. Männer, die Frauen belästigen, die Grenzen überschreiten, die sich nehmen, was ihnen nicht gehört. Körper, Nähe, Worte.

Von Alois Schöninger
Hallein, Salzburg
Als wäre das nicht genug, hat das Internet alles verändert. Es hat nichts besser gemacht. Es hat es schlimmer gemacht. Bilder werden genommen, verändert, entstellt. Für Fantasien, die niemand sehen will. Für Abgründe, die man lieber nicht kennt. Der Fall Fernandez hat das sichtbar gemacht. Nicht neu. Aber plötzlich da. In Farbe.
Man weiß das alles. Irgendwie. Man spürt es. Aber wenn es einen nicht betrifft, legt man es zur Seite. Wie etwas Unangenehmes, das man später erledigen will.
Eine Bekannte hat mir einmal davon erzählt. Jung, sehr attraktiv. Sie bekommt Nachrichten. Ständig. Manche höflich verkleidet, andere direkt. Fordernd. Übergriffig. Sie sagte, man gewöhne sich daran. Man müsse damit leben.
Dieser Satz ist falsch.
Ich wusste nicht, wie oft so etwas passiert. Nicht, wie selbstverständlich es geworden ist. Es ist furchtbar. Und es ist nicht hinzunehmen. Weder im Netz noch im echten Leben. Auch nicht die kleinen Sätze, die angeblichen Witze. Diese altherrischen Bemerkungen, hinter denen sich etwas anderes verbirgt.
Ich kenne diese Situationen. Männer unter sich. Ein Blick. Ein Nicken. Eine Frau kommt in den Raum. Die Blicke wandern. Brust. Hüfte. Ein kurzer Kommentar. Leise. Oder auch nicht.
Ich kenne das.
Und ich habe mich gefragt, ob ich anders war. Ob ich wirklich anders war.
Nein.
Ich war es nicht immer. Ich habe Dinge gesagt. Im Netz. Im echten Leben. Komplimente, die keine waren. Annäherungen, die ich mir schön geredet habe. Ohne nachzudenken, wie sie ankommen. Ob sie zu weit gehen.
Sie gingen zu weit.
Die Absicht spielt keine Rolle. Es ist egal, was ich gemeint habe. Entscheidend ist, was es war. Ein Übergriff. Auch Worte können das sein.
Diese Gespräche unter Männern, diese Witze — ich mochte sie nie wirklich. Aber ich habe mitgelacht. Weil es einfacher war. Weil man nicht auffallen wollte.
Heute finde ich sie nicht nur unangenehm. Ich finde sie abstoßend.
Und ich frage mich, wie viele so sind. Nicht alle. Aber viele. Auffällig viele.
Das macht mir Sorgen.
Dieses Selbstverständnis. Diese Art zu reden. Und die andere Seite: Frauen, die es ertragen. Ertragen müssen. Die schweigen. Oder sich angepasst haben, weil Widerstand anstrengend ist. Oder gefährlich.
Am schlimmsten ist, dass es überhaupt notwendig ist, etwas zu ertragen.
Mir war das Ausmaß nicht klar. Nicht die Häufigkeit, nicht die Direktheit. Vor allem nicht im Netz. Nachrichten, jederzeit, ungefiltert. Über Messenger, soziale Medien. Es hört nicht auf.
Was ist los mit uns?
Es zieht sich durch alle Schichten. Geld und Titel schützen nicht vor Anstandslosigkeit. Im Gegenteil. Manchmal scheint es sie zu verstärken. Eine Bekannte aus der Automobilbranche sagte einmal: Je reicher die Kunden, desto sexistischer die Aussagen. „Wenn sie viel Geld haben, geht fast nur über das Sexuelle.“
Dieser Satz sollte erschrecken.
Wenn er das nicht tut, stimmt etwas nicht.
Frauen sind nicht das Problem. Nicht ihr Aussehen. Nicht ihre Kleidung. Das sind Ausreden. Schlechte Ausreden.
Der Mann ist verantwortlich. Für sein Verhalten. Für seine Worte. Für seine Gedanken, wenn sie zu Taten werden.
Und wenn Alkohol im Spiel ist, dann ist das keine Entschuldigung. Dann ist es ein Grund zu gehen.
Es passiert viel in dieser Gesellschaft, das schwer zu ertragen ist. Aber das hier ist nichts Abstraktes. Es ist nah. Es ist alltäglich.
Und es ist Zeit, etwas zu ändern.
Wir Männer müssen uns ändern.
Nicht alle.
Aber die auffällig vielen.

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