In der Panoramabar der Stadt:Bibliothek Salzburg brilliert Jurij Diez in dem vielfach ausgezeichneten Solostück des niederländischen Theatermachers Joop Admiraal. Er übernimmt darin die Doppelrolle eines Sohnes und seiner an Demenz erkrankten Mutter. Elisabeth Breckners einfühlsame Inszenierung thematisiert die Probleme des Alters ohne Rührseligkeit und hinterlässt bei der Premiere am 14. Jänner 2026 einen tiefen Eindruck. Ein überaus wertvoller Abend für Menschen jeden Alters.

Wie jeden Sonntag macht sich der brave Sohn auf den Weg zu seiner Mutter ins Altersheim. Er erinnert sich an seine Kindheit in Siebenbürgen. Dort musste er jeden Samstag nach der Schule mit seiner Mutter einkaufen gehen. Als er sich mit 13 Jahren plötzlich weigern wollte, kam es zum Eklat. Heute aber ist seine Mutter wirklich auf fremde Hilfe angewiesen. Seit sie sich vor einem halben Jahr die Hüfte brach, ist sie ziemlich klapprig geworden. Sie beneidet ihre Schwester Inge, die ihr Leben mit Tabletten beendete und sich so auf den Weg zu ihrem verstorbenen Mann machen konnte.
Mit diesem Wunsch aber ist ihr Sohn gar nicht einverstanden. Er versucht sie aufzuheitern und redet ihr gut zu: „Wir haben es doch schön!“ Liebevoll hilft er ihr beim Anziehen und dann geht es ab in den Gemeinschaftsraum zum „Mensch ärgere dich nicht“ Spielen. Da wird sie plötzlich munter und schafft es sogar, beim Würfeln zu schummeln. Der Kastanienbaum im Garten weckt angenehme Erinnerungen an ihre Heimat. Doch auf wache Momente folgt immer wieder Verzweiflung. Diese Anfälle setzen ihrem Sohn schwer zu. Die kindlich gewordene Mutter und ihr Sohn haben nun endgültig die Rollen getauscht.
Jurij Diez betritt das Pflegeheim als schöner, fremder Mann. Wenn er sich Bluse und Rock überzieht, wird er aber schnell zu einer alten, zittrigen Frau. Geduldig erträgt er die Stimmungsschwankungen seiner Mutter. Als er sich weigert, für sie zu marschieren, bleibt sie hart. Sie jammert und weint einfach so lange, bis er endlich nachgibt.



Arthur Zgubic hat ein Puppenhaus mit Erinnerungsstücken auf die Bühne gestellt, das ebenso löchrig ist wie das Gedächtnis der alten Dame. Beim „Mensch ärgere dich nicht“ Spielen, das in der Mitte des Raumes stattfindet, wird das Publikum zu Insassen eines Altersheimes. Die Mutter ist plötzlich davon überzeugt, dass sie von all den alten Menschen noch immer die Fitteste sei. Sehr geschickt die Musikeinspielungen, in denen nicht nur ein „Schöner, fremder Mann“ sondern auch ein Baum „Am Brunnen vor dem Tore“ zum Einsatz kommen.
Das 1981 in Amsterdam uraufgeführte Stück hat nichts an Aktualität verloren. Weitere Vorstellungen in der Panoramabar am 20. und 28. Jänner sowie am 4. und 10. Februar 2026.
„Du bist meine Mutter“ – Joop Admiraal. Theater.direkt in Kooperation mit der Stadt:Bibliothek Salzburg. Inszenierung: Elisabeth Breckner. Mit: Jurij Diez. Raum: Arthur Zgubic. Technik: Manfred Eckinger. Regieassistenz: Laura Wurzer. Dramaturgie und Produktionsleitung: Michael Kolnberger. Fotos: Stadtbibliothek © Piet Six

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