Du sollst Dir ein Bild machen

Du sollst Dir ein Bild machen

Die aktuelle Ausstellung im Künstlerhaus Wien ist ein einfühlsamer, vorsichtiger Versuch, der die Frage aufwirft: Wie erleben wir Religion heute, wenn Kunst sie neu interpretiert? Der Ansatz ist klug – und zugleich sehr verwundbar.

Von Karl Traintinger

Viele Positionen zeigen Mut und fordern den Besucher: etwa die fotografischen Projekte von Andres Serrano, die religiöse Motive mit menschlichen Grenzerfahrungen konfrontieren, oder die Werke von Renate Bertlmann, in denen Körperlichkeit – oft humorvoll, oft schmerzhaft – auf Machtstrukturen der Kirchenbilder trifft. Solche Ideen öffnen Räume zum Reden über Kontrolle, Sehnsucht, Blickverbote, Emanzipation. Aber nicht jede Irritation führt weiter. Manches bleibt ein greller Riss ohne Echo, ein Effekt, dem die zweite, leisere Hälfte fehlt: jene spürbare, existenzielle Rückbindung ans gelebte religiöse Erleben – an Zweifel, Trost, Scham, Verletzlichkeit, kindliche Prägung und erwachsene Abgrenzung.

Die Empörung rundum überrascht daher nicht. Christentum ist hier nicht nur Motiv, sondern Reibefläche – auch, weil es für viele Betrachter*innen keine Theorie ist, sondern Biografie und Gefühl. Genau das macht die Schau wichtig: Sie trifft Menschen dort, wo Glauben noch nachhallt, auch wenn er brüchig geworden ist.

Der Dialog der Kuratoren Günther Oberhollenzer und der Assistenz von Miriam King bleibt ein Angebot – aber eines, das stärker berühren dürfte. Kunst berührt dann am stärksten, wenn sie den Menschen in seiner ganzen Vielfalt zeigt, nicht nur als Symbol.