Du sollst nicht töten

Orthodoxe Juden in Israel weigern sich weiter Kriegsdienst zu leisten.

Foto: Karl Traintinger

Orthodoxe Juden in Israel weigern sich weiter Kriegsdienst zu leisten

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kapituliert vor einem religiösen Mob, schreibt Johannes C. Bockenheimer in der Neuen Zürcher Zeitung vom 16. Juli 2026. («Netanyahu kapituliert vor einem religiösen Mob» von Johannes C. Bockenheimer, Neue Zürcher Zeitung 16. Juli 2026)

Heinrich Frei

Von Heinrich Frei, Zürich, Schweiz

Orthodoxe Juden in Israel wollen weiter keinen Kriegsdienst leisten, wie alle anderen Israeli die jetzt im Gazastreifen, im Libanon und im Iran in den Krieg ziehen mussten. Was wäre passiert, wenn die Mehrheit der israelischen Soldatinnen und Soldaten nach dem furchtbaren Attentat der Hamas am 7. Oktober 2023 im Gazastreifen sich geweigert hätten Rache zu üben und in den Krieg zu ziehen? Wenn man in Israel nur gerichtlich gegen die Hamas vorgegangen wäre? Wenn man untersucht hätte, wie es möglich war, dass es zu diesem Terroranschlag kommen konnte?

Sich zu weigern Kriegsdienst zu leisten muss man positiv sehen, ob es aus religiösen, humanen oder politischen Motiven heraus erfolgt. Der erste Weltkrieg hätte nicht stattfinden können, wenn die Deutschen, Franzosen, Österreicher und Russen nicht gehorsam gegeneinander in den Krieg gezogen wären, um sich gegenseitig abzuschlachten. Am Sozialistenkongress in Basel 1912 gab es den Vorschlag einen Generalstreik auszurufen, wenn die Mächtigen den Krieg ausrufen würden. Aber 1914 marschierten die Sozialisten hüben wie drüben gehorsam in den Krieg, wie es der Kaiser, der Zar und die französiche Regierung befahl. Millionen Menschen kamen ums Leben.

Heute sind über 20 Kriege im Gange. Sie können nur geführt werden, da die Soldatinnen und Soldaten, autoritär erzogen, der Propaganda glaubend gehorsam in den Krieg ziehen, das heisst in vielen Fällen in den Tod marschieren oder verletzt nach Hause kommen, psychisch traumatisiert.

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