Ein Fastentuch das wohltuend ausbremst

Ein Fastentuch das wohltuend ausbremst

In der Innsbrucker Spitalskirche ist in der Fastenzeit Volker Hildebrandts „Große Bildstörung“ zu sehen, ein Acrylgemälde von 1992.

Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Auf den ersten Blick erinnert es an das graue Flimmern alter Fernsehgeräte nach Sendeschluss, an jenes „Schneebild“, das früher ganz selbstverständlich zum Fernsehen gehörte. Heute, im Zeitalter perfekt berechneter und oft auch künstlich erzeugter Bilder, wirkt diese Fläche fast ungewohnt still.

Gerade darin liegt ihre besondere Qualität. Das Fastentuch zeigt nicht viel und sagt gerade dadurch umso mehr. Es schafft eine Pause im Dauerstrom visueller Reize, eine kleine Ruhezone für Augen und Gedanken. Statt noch ein starkes Bild zu liefern, verweigert es das Spektakel und lädt zum Innehalten ein.

Als künstlerische Geste passt das wunderbar zur Fastenzeit. Traditionell geht es in diesen Wochen auch darum, zu reduzieren, Gewohntes zu unterbrechen und innerlich freier zu werden. Hildebrandts Werk nimmt diese Idee ernst: Die „Störung“ wird hier fast zu etwas Heilsamem. Sie entzieht sich dem schnellen Konsum und öffnet einen Raum für Stille, Konzentration und vielleicht auch für die Frage, was jenseits all der Bilder bleibt.

Kommentar hinterlassen zu "Ein Fastentuch das wohltuend ausbremst"

Hinterlasse einen Kommentar