„Ein Jedermann“ – In Seeham ist der Teufel los!

Jedermann

Felix Mitterers aktualisierter Jedermann wurde 1991 im Theater in der Josefstadt in Wien uraufgeführt. Auf der Seebühne in Seeham schlüpft Franz Hillerzeder in die Rolle des skrupellosen, gestressten Generaldirektors. Ein unzufriedener Gott gibt ihm eine kurze Frist, sich zu bessern. Die Premiere fand am 3. Juli 2026 bei strahlendem Wetter als Benefizveranstaltung zu Gunsten der Schmetterlingskinder im Rahmen der ORF-Aktion „Licht ins Dunkel“ statt.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Im Himmel streiten sich die Kinder Gottes. Während sich der Heilige Geist über die Brutalität der Menschen aufregt, geht es Jesus etwas ruhiger an. Er war ja schließlich unten, zeigt Verständnis und bezeichnet seinen Bruder als „langweilige Vogelscheuche“. Gott beschließt, einen Gerichtstag abzuhalten, und schickt zu diesem Zweck Tod und Teufel zu Jedermann, den Generaldirektor eines Rüstungskonzerns. Der Teufel gibt sich als Troubleshooter aus, mischt sich überall ein und rettet schließlich die angeschlagene Firma, indem er Kriege anzettelt.

Auch private Probleme machen Jedermann zu schaffen. Als seine Frau (Christine Altendorfer) erfährt, dass er sie schon seit fünf Jahren mit seiner Sekretärin (Karoline Entfellner) betrügt, begeht sie Selbstmord. Sein Sohn sitzt wegen Drogen in Caracas fest. Dazu kommen noch die ständigen Vorwürfe seiner Mutter (Sylvia Oberhauser). Ob die geplante Geburtstagsfeier unter diesen Umständen wirklich ein rauschendes Fest wird? Die Frau Bundeskanzlerin überreicht ihm zwar einen Orden, doch dann beginnt Jedermann unter Halluzinationen zu leiden. Schließlich sieht er ein, dass er für all das Elend rund um ihn verantwortlich ist, und verschenkt seine Firma. Der Teufel aber hat bereits ein neues Opfer im Visier.

Felix Mitterer hat die Allegorien aus Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“ geschickt in unsere Zeit versetzt. So werden aus dem Schuldknecht (Roman Leobacher) und dem Armen Nachbarn (Paul Oberhauser) einfache Versager, die geschäftlich nichts auf die Reihe bringen. Der Gute Gesell wird zur schwer bewachten Bundeskanzlerin (Sandra Appel-Steiner), der Dicke Vetter zum Kardinal (Thomas Pesendorfer). Die Werke darf der Gewerkschaftspräsident (Hans Sporer) repräsentieren. Im Himmel muss sich Gott Vater (Christian Altendorfer) über seine streitenden Kinder, Gott Sohn (Thomas Herbst) und Gott Heiliger Geist (Eva Pötzelsberger), ärgern.

Dass der gestresste Jedermann (Franz Hillerzeder) knapp vor einem Herzinfarkt steht, wird schon in der erste Szene klar. So hat der Teufel (Alexander Eberl) als bösartiger Einflüsterer ein leichtes Spiel. Seine Kriegstreibereien funktionieren prächtig. Der Tod (Jonas Probst-Pesendorfer) kann völlig entspannt auf seinen großen Auftritt warten. Aus einem religiösen Moralspiel wird so ein erschreckendes Bild unserer Gegenwart. Ein einfaches „Ich glaube!“ reicht diesmal für die Erlösung wohl nicht aus.

Gerard Es hat Felix Mitterers erschreckend aktuelles Stück mit dem spielfreudigen Ensemble des Theatervereins „Die Seebühne Seeham“ als scharfe Gesellschaftssatire inszeniert. Ein Garant für beste Unterhaltung, die zum Nachdenken anregt.

Dorfgockel

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