An den Seitenwänden der Pfarrkirche in Obertrum am See erzählen vierzehn Holzreliefs den Leidensweg Jesu. Geschaffen wurden sie 1961 vom Halleiner Bildhauer Jakob Adlhart d. J. Sie sind Teil einer jahrzehntelangen Verbindung des Künstlers mit der Obertrumer Kirche.

Von Karl Traintinger
Nach dem Brand von 1917 gestaltete Adlhart zunächst die Decke mit figuralen Schnitzereien. Später folgten unter anderem der Hochaltar, die Krippe und 1965 ein Kruzifix an der Priestergruft.
Reduzierte, eindringliche Bildsprache
Die Kreuzwegstationen konzentrieren sich auf die handelnden Personen. Schmerz, Erschöpfung, Trauer und Mitgefühl werden vor allem durch Körperhaltungen und Gesten vermittelt. Die Figuren treten kraftvoll aus dem Holz hervor, während die unbehandelte Oberfläche sichtbar bleibt. Je nach Lichteinfall verändern sich die Schatten auf den Reliefs. Das verleiht den Szenen eine besondere Lebendigkeit und macht das Material selbst zum Teil der Gestaltung.
Kunsthistorisch gehören die Arbeiten zu Adlharts nachexpressionistischem Reifestil. Der Künstler verbindet darin die alpenländische Schnitztradition mit der modernen Sakralkunst der Nachkriegszeit. Klare Konturen, vereinfachte Formen und eine betonte Körpersprache ersetzen eine detailreiche naturalistische Darstellung. So wirkt der Kreuzweg nicht laut oder pathetisch, sondern konzentriert und nachhaltig. Das Leid wird nicht dramatisch ausgestellt, sondern in einer stillen, eindringlichen Bildsprache erfahrbar.




Jakob Adlhart wurde 1898 geboren und studierte von 1921 bis 1923 bei Anton Hanak in Wien. Später leitete er die Halleiner Werkstätten für kirchliche Kunst. Sein Werk verbindet traditionelle Holzschnitzerei mit modernen, expressionistisch geprägten Formen. Adlhart starb 1985 in Hallein. In Obertrum ist sein künstlerisches Vermächtnis bis heute unmittelbar sichtbar und erlebbar.

Buchtipp: „Der Bildhauer Jakob Adlhart“ von Adolf Hahnl
Aktualisierter Nachdruck der 1. Auflage von 1980
Erschienen 2026 im Verlag St. Peter Salzburg

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