Ein Schiffsrumpf für eine unruhige Zeit

Ein Schiffsrumpf für eine unruhige Zeit

Hoch oben in der Wildkogel-Arena, zwischen den Bergstationen der Wildkogel- und Smaragdbahn, steht die kommenden vier Jahre ein Schiff, das nie ins Wasser kommt und gerade deshalb so viel erzählt. Georg Zenz hat mit seiner „Arche 2.0“ eine 26 Meter lange und 6 Meter hohe Holzinstallation in die alpine Landschaft gesetzt: ein offener Rumpf aus Kiel, Spanten und wenigen Planken. Roh, klar, exponiert.

Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Das Objekt erinnert an historische Schiffswracks, vielleicht an die nordischen Bootskörper aus Roskilde, an vergangene Fahrten und Verluste. Zugleich ist es ganz Gegenwart. Die Arche wird hier nicht als religiöses Zitat verstanden, sondern als Bild für eine Zeit, in der vieles unsicher geworden ist. Klimawandel, Wirtschaftskrise, Kriege, gesellschaftliche Spannungen und der Verlust vertrauter Ordnungen stehen unausgesprochen mit am Berg.

Gerade in dieser reduzierten Form gewinnt die Arbeit ihre Stärke. Die Arche ist nicht fertig, nicht geschlossen, nicht rettend im praktischen Sinn. Sie bleibt Fragment und wird so zum Denkraum. Was soll bewahrt werden? Was tragen wir weiter? Was ist wesentlich?

Darin liegt auch die historische Tiefe des Projekts. Die Arche steht seit jeher für Schutz, Übergang und Zukunft. Am Wildkogel wird daraus eine zeitgenössische Skulptur mit kulturpolitischer Dimension. Sie spricht nicht vom Rückzug, sondern von Verantwortung.

Bemerkenswert ist auch der Ort. In der hochalpinen Weite wirkt das Holzgerippe nicht dekorativ, sondern ernst. Zieht Interesse auf sich. Es setzt einen Kontrapunkt zur touristischen Bilderwelt und macht den Berg für einen Moment zum Ort der Nachdenklichkeit. Georg Zenz gelingt mit „Arche 2.0“ eine Arbeit, die einfach lesbar ist und dennoch offen bleibt. Ein starkes Bild für eine unruhige Gegenwart.

Eröffnung: Samstag, 11. Juli 2026, 14 Uhr, am Wildkogel, direkt bei der „ARCHE 2.0. Am besten erreichbar mit der Wildkogelbahn von Neukirchen am Großvenediger aus und einem kurzem Fußweg.

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