Gleich rechts vom Eingang der Mittelschule Lehen in der Siebenstädterstraße 34 ist ein ungewöhnliches Kunstwerk zu entdecken: das Wandrelief „Trojanisches Pferd“ von Rosita Magnus. Die farbenfrohe Arbeit entstand 1960 und wurde im Rahmen eines Wettbewerbs realisiert.

Von Karl Traintinger
Das Motiv geht auf Homers Ilias zurück. Dargestellt ist jenes hölzerne Pferd, mit dessen Hilfe die Griechen in die Stadt Troja gelangten. Im Inneren des Pferdekörpers sind die behelmten Köpfe und Schilde von acht griechischen Kriegern zu sehen. Drei weitere Figuren stehen rechts vor dem Pferd, darunter vermutlich Odysseus.
Bei der Ausführung setzte Rosita Magnus auf einen wirkungsvollen Materialmix: Das Pferd besteht aus schwarz gefärbtem Eisenblech, die übrigen Bildelemente sind mit bunten Mosaiksteinen gestaltet. Über dem Relief befindet sich eine Wanduhr mit einem ringförmigen Zifferblatt aus Metall und Glas.
Das „Trojanische Pferd“ steht beispielhaft für die Kunstwerke, mit denen Rosita Magnus den öffentlichen Raum in Salzburg prägte. Insgesamt schuf sie 42 Wandgestaltungen für Schulen, Kindergärten, Banken und Heime. Dabei kombinierte sie Mosaik, Sgraffito, Malerei und ornamentale Elemente.
Zu ihren bekannten Arbeiten zählen auch zwei Wandbilder aus Marmorplatten im Foyer des ehemaligen Paracelsusbades und des Kurhauses Salzburg. Die Kunstwerke des abgerissenen Paracelsusbades wurden 2017 gerettet und in das Haus der Katholischen Aktion am Kapitelplatz 6 übersiedelt. Weitere Arbeiten von Magnus befinden sich unter anderem im Kindergarten Liefering II und an der Allgemeinen Sonderschule in der Böhm-Ermolli-Straße.
Das Wandrelief in Lehen ist damit mehr als eine farbenfrohe Fassadengestaltung: Es verbindet ein klassisches Sagenmotiv mit moderner Kunst und macht ein Stück Salzburger Kulturgeschichte im Alltag sichtbar.


Rosita Magnus studierte von 1938 bis 1944 an der Hochschule für bildende Künste in Berlin. Dort lernte sie ihren späteren Ehemann Josef Magnus kennen. 1946 übersiedelte sie mit ihm und ihrer Tochter Vasitti nach Salzburg, wo sie als Malerin und Dramatikerin tätig war.
Für ihre Wandgestaltungen und ihr malerisches Schaffen erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen im In- und Ausland. Auch literarisch arbeitete sie: 25 ihrer Gedichte wurden vertont. Von 1965 bis 1997 restaurierte sie die Wasserspiele von Hellbrunn. Mit insgesamt 42 Wandgestaltungen zählt Rosita Magnus zu den prägenden Künstlerinnen der Salzburger Kunst im öffentlichen Raum.

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