Eine Salzburger Verkehrssatire

Eine Salzburger Verkehrssatire

Einfahrt in die Grazer Bundesstraße beim Schloss Minnesheim - alle Fotos wurden am 17. 4. 2026 von 12:30 - 12:45 aufgenommen

Die Grazer Bundesstraße in Salzburg-Gnigl ist seit Jahren das, was man im Amtsdeutsch vermutlich eine „situativ anders genutzte Verkehrsfläche“ nennen würde. Auf gut Deutsch: eine beliebte Ausweichstrecke für alle, die ein Verkehrszeichen eher als unverbindliche Empfehlung verstehen.

Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Offiziell dürfen hier Anrainer, Radfahrer und Fiaker fahren. Viele, die die Abkürzung kennen, machen das auch inoffiziell. Das Verbotsschild steht tapfer am Straßenrand und erfüllt seine wichtigste Funktion: Es beweist, dass die Stadt grundsätzlich etwas unternommen hat. Mehr kann man von einem Stück Blech auch nicht verlangen.

Die Sache wäre freilich einfach zu lösen. Ein Poller an der Engstelle und die tägliche Blechwallfahrt hätte ein Ende. Kostengünstig und nachhaltig. Aber genau deshalb ist diese Lösung politisch wohl kaum zumutbar. Ein Problem, das sich mit einem einzigen Metallzylinder beheben ließe, passt einfach nicht in die heimische Tradition des jahrelangen Prüfens, Abwägens, Vertagens und Zuständigkeitsverschiebens.

Die Stadtpolitik redet, das Verkehrsamt schweigt und gemeinsam pflegt man die hohe Kunst des bewegungslosen Handelns. Man will schließlich niemanden überfordern, schon gar nicht die Autofahrer. Diese gelten in Salzburg weiterhin als besonders schützenswerte Minderheit – obwohl sie meist in der Mehrheit sind.

Bald stehen in der Grazer Bundesstraße Sanierungsarbeiten an. Der Asphalt wird wahrscheinlich wunderbar geglättet, damit die unerlaubte Durchfahrt auch künftig möglichst komfortabel erfolgen kann. Von einer Verkehrsberuhigung zugunsten der Anrainer hört man nichts. Warum auch? Ruhe ist in Salzburg bekanntlich nur dort erwünscht, wo sie den Verkehr nicht stört.

So bleibt die heilige Kuh „Autofahrer“ in der Stadt Salzburg wie immer unantastbar. Man darf sie weder verärgern noch ausbremsen. Man kann höchstens hoffen, dass sie irgendwann freiwillig einsieht, dass ein Fahrverbot vielleicht tatsächlich ein Fahrverbot meinen könnte. Bis dahin gilt: Wo kein politischer Wille ist, rollt der Verkehr halt weiter.

Siehe auch:
Das kurze Glück der Stille >

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