Mit ihrem bestechenden Konzert+Tanz-Konzept und dem aktuellen Album „Pretty Bananas“ im Gepäck verwandelten Marina & the Kats das Emailwerk Seekirchen am Samstagabend in einen pulsierenden Elektro-Swing-Ballroom.

Von Leo Fellinger
Die frisch für den Amadeus nominierte Formation bewies in einer gut zweistündigen Show eindrucksvoll, wie virtuos sich tanzbarer Retro-Charme mit modernem Indie-Drive und inhaltlichem Tiefgang verbinden lässt. Ein herausragender Konzertabend, der die Live-Qualitäten der „kleinsten Big Band der Welt“ musikalisch und atmosphärisch perfekt auf den Punkt brachte.
Zentrales Element des Bühnensetups und musikalisches Markenzeichen der Band sind die sogenannten „Shared Drums“. Mit Sängerin Marina Zettl an den Drums und Thomas Mauerhofer an der Gitarre (die beide – nach 20jähriger Liebesbeziehung – nun Mauerhofer-Zettl heissen), Hari Baumgartner am Schlagzeug und Peter Schönbauer an Bass und Bassdrum teilen sich drei der vier Mitglieder aktiv perkussive Aufgaben. Dieses Konzept erzeugt einen treibenden, eigenständigen Rhythmus, der es für die Konzertbesucher:innen im Emailwerk schlichtweg unmöglich war, stillzustehen. Musikalisch bewegt sich das Quartett dabei souverän zwischen klassischem Gypsy-Swing der 1930er-Jahre und modernen Indierock-Einflüssen, wodurch ein Sound entsteht, der historische Zitate mit zeitgemäßem Drive verbindet.
Der Fokus des Abends lag auf dem neuen Album „Pretty Bananas“. Der darauf präsentierte Indie-Swing vereint Retro-Vibes mit gut durchdachten Soul-Elementen. Marina Zettl demonstrierte dabei ihre stimmliche Wandlungsfähigkeit, die den Songs eine prägnante Kontur verleiht. Die Setlist bot musikalische Abwechslung: Neben zurückgenommenen Stücken wie „Too Sad To Cry“ oder dem an den britischen Soul einer Amy Winehouse erinnernden „It Doesn’t Bother Me“, sorgten vor allem vorwärtsgewandte Nummern wie „My Big Spender“ und das gitarrenlastige „Fools“ für eine hohe dynamische Spannweite. Auch pop-affinere Tracks wie „She’ll Be Back“ oder „On And On“ fügten sich stimmig in das Gesamtbild ein.





Trotz der stark tanzbaren Ausrichtung vernachlässigt die „Working Band“, die ihre Musik komplett eigenständig schreibt und produziert, den inhaltlichen Tiefgang nicht. Zwischen den energetischen Beats fanden sich textliche Reflexionen über Erfolgsdruck, das Älterwerden und gesellschaftliche Erwartungen. Diese inhaltliche Ambivalenz aus kritischer Beobachtung und musikalischem Optimismus verleiht der Gruppe ihre Authentizität und hebt sie vom reinen Party-Swing ab.
Nach zwei Stunden verabschiedete das Publikum im Emailwerk die Band mit wohlverdientem, langanhaltendem Applaus. Marina & the Kats überzeugten an diesem Abend durch technische Präzision, clevere Arrangements und eine spürbare Spielfreude, die glatt vergessen ließ, dass lediglich vier Musiker auf der Bühne standen. Das Konzert (oder war es ein Tanzabend?) war ein gelungener Beweis dafür, wie lebendig und mitreißend moderner Swing umgesetzt werden kann.

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