Elisabeth Reichart: Die Voest-Kinder

Elisabeth Reichart

Elisabeth Reichart | Foto: Otto Müller Verlag © Alexander Golser

Buchtitel: Die Voest-Kinder
Autor: Elisabeth Reichart
Genre: Roman
Verlag: Otto Müller Verlag
ISBN: 978-3-7013-1187-3
Erschienen: 09/ 2011

Klapptext:

Oberösterreich, Mitte der fünfziger Jahre: Seine ersten Lebensjahre verbringt das Mädchen mit Eltern und Großeltern in einer Kleinstadt an der Donau. Am gegenüberliegenden Ufer steht die Voest, die Vereinigten Österreichischen Eisen- und Stahlwerke, gegründet 1938 als Hermann Göring-Werke, wo der Vater arbeitet.

In der magischen Welt des Mädchens lebt ein Drache im Hochofen. Doch mit der Übersiedlung der Familie Anfang der 1960er Jahre in die Ödnis der Voest-Siedlung lösen sich die Märchen auf: Der feuerspeiende Drache verschwindet und der Ruß ist nur noch schmutzig. Das Mädchen lernt, dass sie über das Tausendjährige Reich keine Fragen stellen darf. Das Denken der Erwachsenen ist nun auf die Zukunft gerichtet, der von der Puppe und den Musikinstrumenten bis zur Familie alles geopfert wird, um irgendwann später glücklich zu sein. Als erster aus der Siedlung wird der Vater als Bauleiter an den Blauen Nil in den Sudan geschickt, der nur noch alle zwei Jahre zu Besuch nach Hause kommt – von Globalisierung spricht noch niemand.

Das Mädchen versucht sich zurechtzufinden zwischen Schweigen und Wörtern, die sie nicht versteht. Seine Wahrnehmungen bedeuten für die Erwachsenen eine Bedrohung, erinnern diese zu schmerzlich an die eigenen, von den Nationalsozialisten verunmöglichten Sehnsüchte. Die Großen versuchen, das Kind zum Konformsein zu bewegen. Es gelingt ihnen vorübergehend, bis das Mädchen die Welt in ihrem Kopf entdeckt und seine Fantasie lebendig wird.

Annelore Achatz

Buchrezension von Annelore Achatz

Die Voest-Kinder führen die Leser:innen in eine vergangene Zeit – nicht nur in die Vergangenheit, sondern vor allem in die Kindheit. Das macht dieses Buch einerseits besonders interessant, stellt die Lesenden andererseits vor die Herausforderung, es mit „Kinderaugen“ zu lesen bzw. zu „übersetzen“. Denn genauso unverständlich wie die „Erwachsenenwelt“ mit ihren Ausdrücken für Kinder ist, so schwierig ist oft auch die Sichtweise des Kindes für Erwachsene nachzuvollziehen – zumindest empfand ich es so.

Doch wie zuvor erwähnt: Wer sich wirklich darauf einlässt und keine „für zwischendurch“-Geschichte erwartet, wird dieses Buch als kleines „Juwel“ entdecken. Zeitzeugenromane gibt es viele – Die Voest-Kinder aber stechen durch die kindliche Perspektive und den besonderen Schreibstil hervor. In dieser Form findet man selten etwas Vergleichbares!

Insgesamt also ein sehr empfehlenswertes Buch – für anspruchsvollere Leser:innen und nicht nur für jene, die selbst in dieser Zeit Kinder waren.


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