Elon Musk und die Machtfrage

Stano Filko

Rakete von Stano Filko im Museum der Moderne in Salzburg | Foto: © Karl Traintinger

Elon Musk ist der reichste Mensch der Welt. Auch das ist Macht.

Alois Schöninger

Von Alois Schöninger
Hallein, Salzburg

Nicht die Macht eines gewählten Politikers. Nicht die Macht eines Richters. Nicht die Macht eines Generals.

Es ist die Macht des Geldes. Die Macht von Unternehmen. Die Macht, Technologien zu kontrollieren, die für Millionen Menschen wichtig geworden sind.

Musk wird von vielen bewundert.

Er hat Unternehmen aufgebaut, die ganze Branchen verändert haben. Er hat Dinge erreicht, die andere für unmöglich hielten. Ohne Menschen wie ihn, sagen seine Anhänger, gäbe es weniger Fortschritt.

Das mag stimmen.

Aber Fortschritt ist nicht automatisch ein moralischer Wert.

Auch die Frage, wem Fortschritt dient und wer den Preis dafür bezahlt, gehört dazu.

Seit Jahren begleiten Musk Vorwürfe.

Er soll Anleger getäuscht haben. Er soll Arbeitsbedingungen zugelassen haben, die Beschäftigte unter Druck setzen. Er soll Gewerkschaften bekämpfen. Er soll seine Reichweite nutzen, um politische Debatten zu beeinflussen. Er soll Desinformation begünstigen und Verschwörungserzählungen verstärkt haben.

Nicht alles davon wurde bewiesen. Nicht alles davon ist strafbar.

Aber die Summe dieser Vorwürfe zeichnet ein Bild.

Ein Bild von einem Mann, der selten fragt, welche Folgen sein Handeln für andere hat.

Wer Musk zuhört, hört oft von Innovation, Geschwindigkeit und Disruption. Selten hört man von Verantwortung. Noch seltener von Demut.

Vielleicht ist das kein Zufall.

Denn die moderne Welt belohnt Menschen, die Grenzen verschieben. Sie fragt oft erst später, was dabei zerstört wurde.

Musk besitzt Unternehmen, die Kommunikationsräume beeinflussen. Unternehmen, die Satelliten im Orbit betreiben. Unternehmen, die an künstlicher Intelligenz arbeiten. Unternehmen, deren Entscheidungen ganze Märkte bewegen.

Die Frage ist nicht mehr, ob ein einzelner Mensch so viel Macht haben kann.

Die Frage ist, ob er sie haben sollte.

Seine Unterstützer nennen ihn einen Visionär.

Seine Kritiker nennen ihn gefährlich.

Beide Seiten übersehen manchmal etwas.

Das Problem sind nicht außergewöhnliche Menschen.

Das Problem beginnt, wenn außergewöhnliche Macht auf außergewöhnlich wenig Kontrolle trifft.

Die Geschichte kennt solche Konstellationen.

Nicht immer endeten sie schlecht.

Aber erstaunlich oft.

Menschen mit großer Macht neigen dazu, ihre eigene Bedeutung zu überschätzen. Sie beginnen zu glauben, dass Regeln für andere gelten. Dass Kritik von Neidern kommt. Dass Widerstand ein Hindernis und kein Korrektiv ist.

Vielleicht ist das die eigentliche Sorge bei Elon Musk.

Nicht dass er böse wäre.

Sondern dass er irgendwann davon überzeugt sein könnte, stets recht zu haben.

Die größten Schäden der Geschichte wurden selten von Menschen angerichtet, die sich selbst für Schurken hielten.

Sie wurden von Menschen angerichtet, die glaubten, ihre Macht sei verdient. Ihre Absichten seien gut. Und deshalb müssten sie niemandem Rechenschaft ablegen.

Ob Elon Musk zu diesen Menschen gehört, weiß niemand.

Aber vielleicht sollten wir aufhören zu fragen, ob wir ihn bewundern oder verurteilen sollen.

Vielleicht sollten wir stattdessen fragen, warum wir überhaupt bereit sind, einzelnen Menschen eine Macht zuzugestehen, die früher nur Staaten besaßen.

Denn die entscheidende Frage lautet nicht, wer Elon Musk ist.

Die entscheidende Frage lautet, was es über unsere Gesellschaft aussagt, dass ein einzelner Mensch so viel Einfluss haben kann.

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