Vollblutkomödiant, Publikumsliebling und „Theaterpapa“: Peter Pikl wollte nur eines – die Menschen mit seiner Kunst zum Lachen bringen. Am 3. Mai wäre er 80 Jahre alt geworden.

Von Claudia Karner
Angefangen hat alles mit einer Statistenrolle am Salzburger Landestheater. Peter Pikl, der als Sohn eines Tierarztes und einer Opernsängerin in Mattsee aufwuchs, wollte sich als Germanistikstudent ein bisschen Taschengeld verdienen. 35 Schilling gab es damals pro Vorstellung. Ein Regisseur erkannte sein Talent und empfahl ihm, eine Schauspielausbildung zu machen. Eigentlich wäre Pikl lieber Opernsänger geworden, aber sein Musikprofessor hatte ihn schon nach der dritten Lektion entmutigt: „Burschi, ein Tenor wird nie aus dir.“ So wurde er halt Bariton. Doppeltes Glück bei der Abschlussprüfung im Mozarteum: Er lernte seine Kollegin Traudl Gmeinböck kennen, die später seine Frau wurde.
Publikumsliebling am Salzburger Landestheater

Foto: Privat
Am Salzburger Landestheater avancierte Peter Pikl in den 1970er und 1980er Jahren neben Werner Friedl zum Publikumsliebling. Die Zuschauer lachten Tränen bei „Othello darf nicht platzen“ und beklatschten ihn in Musicals wie „My Fair Lady“ und „Cabaret“. Bei der Bewerbung zum Intendanten ging er allerdings leer aus. Stattdessen wurde er 1996 Intendant bei den Komödienspielen Porcia, (heute „Ensemble Porcia“) in Spittal an der Drau. Dort wo er sich schon 16 Sommer lang zuvor in die Herzen der Zuschauer gespielt hatte. In Stücken von Nestroy, Goldoni, Moliére und Feydeau, Stücke, die immer für einen Lacher gut waren.
Prinzipal der Komödienspiele Porcia
Als neuer Intendant krempelte die Komödienspiele um und erweiterte das Programm ganz nach dem Grundsatz von Berthold Brecht „Wer nicht vielfältig ist, ist einfältig.“ Er setzte all seinen Ehrgeiz daran, ein besonders breit aufgestelltes Publikum anzusprechen.
Pikl verstand sich als echter Prinzipal. „Ich bin nicht einer, der oben sitzt und delegiert, sondern der in gleicher Weise mitarbeitet wie die Kollegen, mit dem Unterschied, dass ich die Richtung vorgebe“, so legte er seine Arbeitsphilosophie dar.
„Theaterpapa“ nennt ihn Florian Eisner, jetzige rIntendant von Porcia und ehemaliges Ensemblemitglied am Schauspielhaus Salzburg, augenzwinkernd. „Für mich bleibt Peter Pikl mein unerreichter Lieblingschef. Er hatte die Eigenschaft, zu den Kollegen eine zutiefst menschliche Beziehung aufzubauen, die einem das Gefühl der gegenseitigen Wertschätzung gegeben hat.“






Peter Pikl in seinem Element: Szenen von den Komödienspielen Porcia. Fotos: Ensemble Porcia
„Des mach i schon!“
Auch Georg Clementi, jetziger Leiter des Salzburger Straßentheaters, erinnert sich gern an die Zusammenarbeit mit Peter Pikl, sei es als Kollege in „Die Geschichten des braven Soldaten Schwejk“ und „Othello darf nicht platzen“, aber auch an seine legendäre Regiearbeit bei „Amadeus“, wo Clementi den erwachsenen Mozart spielte und sein damals vierjähriger Sohn Paul den kleinen Mozart. „Als Intendant war er eine echte Vaterfigur, ein Mensch mit einem riesengroßen Herzen, der sich um alle im Ensemble gekümmert hat. ‚Des mach i schon!‘, war einer seiner Sprüche, die mir noch im Ohr sind. Und dann machte er es auch“, erzählt Clementi.
Apropos Salzburger Straßentheater: Langjährige Besucher werden sich vielleicht noch erinnern, dass in den frühen 1990er Jahren, damals noch unter der Leitung von Klaus Gmeiner, Pikl auf dem Thespiskarren mit dabei war.
Große Erfolge feierte er auch als Sänger in der Wiener Volksoper. In seiner Heimatgemeinde Mattsee brachte er den Diabelli-Sommer zum Strahlen – als Gründungsmitglied, als Vereinsobmann, Organisator und auch Künstler auf der Bühne. Und gelegentlich gestaltete Pikl Lesungen wie die Hommage auf Heinz Erhardt anlässlich dessen 100. Geburtstag in der Reihe „Literatur im Café Mozart“.
Eine der besten Erfindungen der Menschheit
Pikl war der geborene Komödiant, aber wie bei Bajazzo verbarg sich hinter der fröhlichen Fassade eine tiefe Traurigkeit. Um den frühen Tod seiner Tochter – sie starb 1990 mit 13 Jahren bei einem Reitunfall – zu verwinden, stürzte er sich in die Arbeit und nahm dabei keine Rücksicht auf seine Gesundheit. 2014 brach er in der Wiener Volksoper während einer Vorstellung der „Csárdásfürstin“ wegen eines Nierenversagens auf der Bühne zusammen. Eine regelmäßige Dialyse zwang ihn danach, kürzer zu treten. Zuerst gab er sein Engagement am Volkstheater ab, zwei Jahre später verabschiedete er sich schweren Herzens von den Komödienspielen.
„Die Komödie ist eine der besten Erfindungen der Menschheit. Und ist glücklich der Vorhang gefallen, so werden wir mit Hoffnung entlassen. Mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft“, notierte Peter Pikl einmal in einem Programmheft.
Für ihn fiel der letzte Vorhang am 19. Februar 2018. Er starb im 72. Lebensjahr und wurde auf dem Friedhof in Mattsee beigesetzt.
Hans Langwallner, Kulturjournalist der Kronenzeitung, schrieb in einem Nachruf: „Es gibt Schauspieler, dessen Bühnenpräsenz und Gestaltungswille selbst nach vielen Jahren nicht aus der Erinnerung verschwinden. So einer war Peter Pikl.“ Auch sein Lachen und sein verschmitzter Blick sind unvergessen.

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