Es ist Freitag. Und ein Feiertag.

Träumen am Seeufer | Foto: Karl Traintinger

Träumen am Seeufer | Foto: Karl Traintinger

Also im Grunde ein Sonntag mit Tarnung – und mein innerer Rhythmus steht daneben wie jemand, der zu früh klatscht.

Alois Schöninger

Von Alois Schöninger
Hallein, Salzburg

Hier auf dem Land trägt der Wind die Blasmusik direkt ins Wohnzimmer.

1.Mai. Tag der Arbeit.

Dabei war das früher kein Anlass für Bierbänke.

Menschen schufteten sich kaputt.

Zwölf Stunden waren ein guter Tag.

Kinder inklusive.

Dann: Streiks. Lärm. Wut.

Man ging auf die Straße und wusste nicht, ob man wieder heimkommt.

Ein paar kamen nicht mehr zurück.

Und der Rest hat uns das hier erkämpft: einen freien Tag und lauwarmes Bier.

Heute: Maibaum, Sonne, Grillgeruch.

Dazwischen Aufmärsche mit Botschaften, die sich anfühlen wie ein schlecht sitzender Anzug – man trägt ihn, aber man will ihn eigentlich schon auf dem Hinweg ausziehen.

Parallel bekomme ich Post:

Miete steigt wieder.

Indexanpassung.

Klingt wie etwas, das ein sehr höflicher Algorithmus entschieden hat, während ich geschlafen habe.

Aufbruchsstimmung?

Eher so ein kollektives Schulterzucken mit Hintergrundmusik.

Ich gehe raus. Hund an der Leine.

Barfußsandalen.

Meine persönliche Revolution – untenrum.

Die Leute kommen mir entgegen, geschniegelt in Funktionsjacken und Wanderschuhen, als würden sie gleich den Himalaya überqueren.

Ich dagegen: Freiheit für die Zehen.

Ein bisschen Anarchie zwischen Asphalt und Gras.

Später werde ich aufs Motorrad steigen.

Freiheit, Teil zwei.

Mehr PS, weniger Gedanken.

Und trotzdem:

Die Welt fühlt sich enger an.

Wie eine Zwangsjacke in Einheitsgröße.

Passt irgendwie allen, aber keinem wirklich.

Man hat ja manchmal das Gefühl:

Die, die ein bisschen seltsam sind, werden aussortiert.

Und die wirklich Verrückten leiten das Ganze.

Der Nachbar schneidet seine Hecke.

Millimetergenau.

Vielleicht ist das die eigentliche Revolution:

wenigstens die eigenen Kanten im Griff haben.

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