Eugen Onegin – Ein berührendes Seelendrama

Eugen Onegin – Ein berührendes Seelendrama

Pjotr Iljitsch Tschaikowskis 1879 uraufgeführte Oper basiert auf Alexander Puschkins 1833 veröffentlichtem Versroman, einem mild-ironischen Porträt der russischen Gesellschaft seiner Zeit.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Der Komponist hat eine komprimierte Fassung dieses Romans in Lyrische Szenen verpackt. Alexandra Liedtke inszeniert die Oper am Salzburger Landestheater als bildgewaltiges, gefühlvolles Gesellschaftsdrama. Großer Jubel und Standing Ovations bei der Premiere am 28. Februar 2026.

Die introvertierte Tatjana und ihre lebenslustige Schwester Olga warten auf einem Gutshof in der russischen Provinz auf das große Liebesglück. Olga scheint es in dem schwärmerischen Poeten Lenski schon gefunden zu haben. Als dieser mit einem Freund, dem lässigen, weltmännischen Onegin, auftaucht, glaubt Tatjana, den Traumprinzen, den sie aus ihren Büchern kennt, endlich gefunden zu haben. Entgegen der Konvention wagt sie den ersten Schritt und schreibt ihm einen glühenden Liebesbrief. Onegin weist sie jedoch kühl zurück und hält ihr eine Moralpredigt. Auf einem Fest flirtet er dann so ungeniert mit Olga, dass Lenski ihn zum Duell fordert. Onegin tötet seinen Freund und muss ins Ausland fliehen. Nach seiner Rückkehr trifft er auf einem Ball des Fürsten Gremin Tatjana als dessen Gattin wieder. Nun wird er zurückgewiesen, obwohl sich Tatjanas Gefühle für ihn nicht geändert haben.

Die sterile weiße Bühne besticht durch Eleganz und kommt völlig ohne Folklore aus. Transparente Vorhänge können von den Sängerinnen und Sängern hin und her geschoben werden und schaffen immer wieder intime Räume, wie bei der grandiosen Briefszene der Tatjana. Die armenisch-amerikanische Sopranistin Tatev Baryan träumt hier als Tatjana von der großen Liebe. Wie diese glückliche, leidenschaftliche Liebe ausschauen könnten, führen uns zwei Tänzer*innen (Ana Đorđević und Yannick Neuffer als Tatjana und Onegin aus dem Buch) vor Augen.

Während George Humphreys als Don Giovanni keine Frau ausgelassen hat, serviert er diesmal als gelangweilter Lebemann die kleine Landpomeranze eiskalt ab. Luke Sinclair gibt seinen Freund, den gemütlichen, doch leider sehr eifersüchtigen Lenski. Onegins Flirt mit seiner Olga (Therese Troyer) hat daher schlimme Folgen.  Berührend wie sich die Gutsbesitzerin (Maria Bulgakova) mit der Amme (Mona Akinola) beim Wäschesortieren über ihre Ehen unterhalten. Beide haben stille Gewohnheit als Ersatz für Glück eingetauscht. Amüsant der Auftritt des munteren Franzosen Triquet (Grégoire Federenko) mit seinem Loblied auf Tatjana. Auf dem Ball des Fürsten Gremin (Daniele Macciantelli) erkennt Onegin, wie sehr er Tatjana einst beleidigt hat.