
Autorin: Eva Holzmair
Titel: Wolkenschwer
Genre: Belletristik/ Erzählende Literatur
ISBN: 978-3-902717-83-2
Verlag: Literaturedition Niederösterreich
Erschienen: 15.09.2025
Klappentext:
In „Wolkenschwer“ führt uns Eva Holzmair nach und nach in die Welt des Altwerdens und Altseins ein. Auf sehr persönliche Art und Weise erzählt die Autorin davon, was es bedeutet, als Tochter einen Elternteil sukzessive an Demenz zu verlieren, welche Hürden ihr und ihrer Mutter auferlegt werden und wie es gelingt, dabei sich selbst und vor allem seinen Humor nicht zu verlieren.
Gleichzeitig gibt uns die Autorin einen Einblick in die Vergangenheit einer inzwischen fast ausgestorbenen Kriegsgeneration, in das Niederösterreich und Wien von damals und in die Gefühlswelt einer Generation, die von Verzicht und Traditionsbewusstsein geprägt war.
Eine Mutter-Tochter-Geschichte, die zugleich schmerzlich und berührend an die Vergänglichkeit des Lebens erinnert und in ihrer Einzigartigkeit trotzdem auf uns alle verweist: auf das (kollektive) Erinnern, das Sterben und den Tod.

Rezension von Anna Lemberger
Ein Buch über das Abgleiten ins Vergessen einer zuvor taffen und sehr selbstbestimmten Frau.
Humorvoll und einfühlsam beginnt Eva Holzmair mit einer Episode im Leben ihrer Mutter, als sie nicht mehr ganz jung ihre Führerscheinprüfung macht und nach mehreren Anläufen auch die praktische Prüfung besteht. Für Maria, wie die Mutter mit Vornamen heißt, ist nämlich nach dem Tod ihres Ehemannes Mobilität und Selbständigkeit sehr wichtig.
Die Autorin nimmt ihre Leser*innen mit auf eine ganz besondere Reise, in der sie facettenreich das Leben ihrer Mutter noch einmal nachempfindet – bis hin zum langsamen Verschwinden in der Dunkelheit der Demenz.
Maria, in ärmlichen Verhältnissen, aber in liebevoller Geborgenheit ihrer Eltern als Einzelkind aufgewachsen, wurde aufgrund ihrer Herkunft von ihrer angeheirateten Familie abgelehnt. Das hat sie ein Leben lang begleitet, wenngleich ihr Ehemann immer zu ihr gehalten hat. Beruflich hat sie jedoch als Schreibkraft bei Gericht einen durchaus anerkannten sozialen Status erreicht. Auch nach der Geburt ihres einzigen Kindes ging sie nach einigen Jahren wieder ihrer Berufstätigkeit nach, was für die damalige Zeit ein erstaunlicher Weg einer Ehefrau und Mutter war.
Holzmair pendelt in ihrem Buch zwischen Vergangenheit, Gegenwart und ihrer eigenen Erinnerung hin und her. Nach und nach lässt sie die Leser*innen teilhaben am Leben ihrer Mutter und ihrer eigenen Kindheit sowie der immer schwieriger werdenden Gegenwart im Umgang mit ihr. Dabei gibt sie berührende Einblicke in latent vorhandene Konflikte und ihre Auswirkungen auf die schwindenden kognitiven Leistungen von Maria. Sie schreibt lebendig und mit Galgenhumor über die zunehmende Belastung in der Interaktion, die zwischen Überforderung und liebevoller Sorge hin und her schwankt.
Gleichzeitig hält die Autorin Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen einen kritischen Spiegel im Umgang mit Demenzkranken und ihren Angehörigen hin.
Mit spielerischem Wortgebrauch hat die Autorin aus einer wahren Geschichte einen spannenden Roman erschaffen. Es ist ihr dabei gelungen, den tiefen Schmerz und die Verzweiflung des zunehmenden Verlustes der Denk- und Merkfähigkeit bei Betroffenen und deren Angehörigen gut zu vermitteln. Zugleich hat Eva Holzmair das Bild einer sehr selbständigen, umtriebigen und bewundernswerten Frau gezeichnet – ihrer Mutter –, die sie war und trotz zunehmender Einschränkung auch blieb.
Ein großartiges und empfehlenswertes Buch für jedermann, aber auch für Professionist*innen, für die es zu einem Perspektivenwechsel eingefahrener Muster führen kann.

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