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Wolfgang Kauer: Felsritzbilder an Salzkammergutseen und ihre prähistorischen Wurzeln

Mai 9, 2025 @ 18:00 19:30

Wolfgang Kauer: Felsritzbilder an Salzkammergutseen und ihre prähistorischen Wurzeln

Prof. Mag. Wolfgang Kauer interpretiert anhand von Vergleichsbeispielen das unfassbar hohe Alter mancher Felsbilder im Bereich der Salzkammergutseen.

Nach dem fast vollständigen Abschmelzen der letzten Eiszeitgletscher öffnete sich das Salzkammergut jungfräulich menschlicher Nutzung durch Jagd, Fischfang und Viehwirtschaft. Steingeiß- und Elchkuhdarstellungen sind die wahrscheinlich ältesten Zeugnisse menschlicher Präsenz am Wolfgangsee, danach folgen etwas jünger in St. Lorenz eine Fellhüttendarstellung der Mondseekultur samt Fußabdrücken und eine Busenwand mit „Schuhleisten“-Dechseln der Linearbandkeramiker bei St. Wolfgang. Am südöstlichen Ende des Wolfgangsees häufen sich Werkzeug- und Gerätedarstellungen, aber auch Himmelshütten der Pfahlbauer vom Attersee, die über Burgau und die Halleswies ins Wolfgangtal aufgestiegen sein dürften, wo sie vermutlich einen religiösen Rückzugsort unterhielten. Sie haben in Abtsdorf am Attersee einen Stein in Protoschrift hinterlassen und sicherlich auch die spiralförmige Höhle am Falkenstein rituell genutzt. Eine sehr schöne Himmelsdarstellung bei Rußbach hat babylonische Wurzeln, zahlreiche ägyptisch beeinflusste Motive und Mythen sind offenbar über die Griechen hierhergekommen. Während im Wolfgangtal nur Eigenschaften der Frauengöttin im Felsbild zitiert werden, findet sich am Sparber bereits eine ganze Göttinnenfigur der ausgehenden Bronzezeit, zu der am anderen Ende der Postalm eine entsprechende Sage überliefert ist. Bärendarstellungen bei Strobl könnten auf einen vorgriechischen Sternenhimmel hinweisen. Aus der Hallstattzeit sind uns Enten, Bienen, Bergmannshauen und Seelendarstellungen überliefert, ebenso bei Hallstatt. Am Hallstättersee erinnert ein berührendes szenisches Bild einer Seelenreise ins Jenseits an heutige Karikaturen. Die Kelten dürften bereits eine Überfahrt zu dem in Farbe und Form besonderen Schalenstein in St. Wolfgang gekannt haben, worauf wiederentdeckte Hüttenreste im See schließen lassen. Aber auch die Römer hinterließen deutliche Spuren, nicht nur in Altmünster und Traunkirchen, auch im Wolfgangtal. Sie brachten das Christentum zu uns, dessen Kirchen, Klöster und Kleindenkmäler heute die Landschaft prägen, während die im Glauben verfolgten Reformierten ab dem 16. Jahrhundert v.a. entlang des Bibelschmugggelwegs an Felswänden ihre Spuren hinterließen, weil sie am Friedhof nicht begraben werden durften.

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