Ilse Krumpöck: Die unfröhlichen Traufkinder von Gossam

Ilse Krumpöck

Ilse Krumpöck | Foto: © Weimann

Krumpöck: Die unfröhlichen Traufkinder von Gossam

Autorin: Ilse Krumpöck
Titel: Die unfröhlichen Traufkinder von Gossam
Genre: Sachbücher/ Geschichte/ Regionalgeschichte, Ländergeschichte
ISBN: 978-3-903496-30-9
Verlag: Innsalz Verlag
Erschienen: 19.02.2025

Klappentext:

Die Inspiration zu diesem Buch erhielt die Autorin anlässlich eines Besuches des Burgkirchleins von Gossam in der Wachau. Sie traute ihren Augen nicht, als sie auf der Informationstafel vor der Kirche las, dass dort „unfröhliche Kinder“ an der Außenmauer des Friedhofsgeländes bestattet wurden. Bei der archäologischen Untersuchung anlässlich der Renovierung der Burganlage in den Jahren 1988–1994 fand man hier 31 Skelette ungetaufter „Traufkinder“, deren außergewöhnliche Bestattung dank des tröpfchenweisen Regenwassers von der Dachtraufe der Kapelle wenigstens eine Spur des ersehnten Seelenheils versprach, einer Taufe posthum sozusagen. Diese Form der Beerdigung gab es auch in anderen Gegenden wie zum Beispiel in Falera im Bündner Oberland in der Schweiz. In der Hoffnung, dass es unter dem Schutz der Muttergottes kurzfristig für die Taufe auferweckt werden kann, legte man das tote Kind auf den Altar, entzündete Kohlen in einem Becken, um den Leichnam zu erwärmen, sprach Gebete und rief die Hilfe der Heiligen und der Gottesmutter an. Anschließend ermittelte man mittels einer Daunenfeder, ob die Leiche atme, was wegen des Kerzenrauchs und der Hitze des Kohlenfeuers fast immer der Fall war. Auch in der 1865 abgebrannten Pfarrkirche zum heiligen Jodok in Schruns in Vorarlberg wurden laut Pfarrchronik wiederholt totgeborene Kinder auf den Josefs-Altar gelegt und getauft. Zuvor zog man, so wie in der Sage vom „Bruderhüsle“, zwei Zeugen bei und betete, dass das Kind wieder lebendig werde, um die Heilige Taufe empfangen zu können.

Anna Lemberger

Rezension von Anna Lemberger

In der landschaftlich wunderschön gelegenen Wachau wurde ein Jahrtausende altes, dunkles Kapitel der katholischen Kirche zutage gefördert. Bei der Renovierung der Ruine des Kirchleins von Gossam (auch Goßam) wurden 31 Kinderskelette gefunden. Es handelt sich um sogenannte „Trauf- oder unfröhliche Kinder“. Diese unglücklichen Wesen starben ohne die heilige Taufe, weil sie abgetrieben, tot geboren wurden oder einfach vor der Taufe verstarben. Deshalb durften sie nicht in geweihter Erde bestattet werden, sondern wurden an der Kirchenmauer vergraben, um vom Wasser des über das geheiligte Kirchendach laufenden Regens beträufelt zu werden. So sollten die mit der Erbsünde geborenen Kinder schneller vom Limbus (Vorhölle) ins Himmelreich gelangen und dort erlöst werden.

Erst kurz nach Beginn unseres Jahrtausends beendete Papst Benedikt XVI. diesen Zustand der Vorhölle und das Vergraben der nicht getauften Kinder in ungeweihter Erde.

Die Autorin Ilse Krumpöck hat mit fiktiven Geschichten den anonym verscharrten Kindern eine Identität gegeben.

Durch das Zusammenfließen von realen, historisch belegbaren Fakten und erdachten Geschichten über die anonym aufgefundenen Kinder entstanden nahegehende und spannende Erzählungen. Krumpöck hat gründlich recherchiert, alte Zeitungsberichte herangezogen und andere historische Begebenheiten in ihre Kinderbiografien eingearbeitet. Dabei ging sie nicht chronologisch vor, sondern vereinte verschiedene Zeitepisoden in einer Geschichte.

Dank der vielen eingearbeiteten Fotos ist der Autorin ein authentisches und historisch hochinteressantes Buch gelungen. Die verwendeten Zeitungsausschnitte sind gut lesbar unterhalb der Originale wiedergegeben.

Zum einen ist das Buch historisch sehr wertvoll, zum anderen berühren die fiktiven Kinderschicksale, die sich aufgrund der von der Autorin gesichteten Fakten so oder ähnlich zugetragen haben dürften.


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