Facharbeiter fehlen aus guten Gründen

Handwerker

Handwerker beim Montieren eine Entlüftung in der Salzburger Innenstadt | Foto: © 2026 Karl Traintinger

Haben wir uns kaputt studiert?

Unter dieser Überschrift beschäftigt sich Mario Derntl in den SN vom 13.7.26 in einem Gastkommentar mit der Tatsache, dass immer mehr junge Leute studieren und es dadurch nicht mehr ausreichend Facharbeiter gibt. Ähnliches hat auch der Lehrer Schnöll in mehreren Leserbriefen von sich gegeben. Letzterer will deswegen sogar den Zugang zum Studium erschweren.

Hans Haberl

Von Hans Haberl
Nussdorf am Haunsberg

Salzburg

Ich glaube, diese beiden Herren haben nicht die geringste Ahnung von einem Facharbeiter in der Privatwirtschaft. Herr Derntl behauptet in diesem Artikel allen Ernstes, ein Meister hätte einen durchschnittlichen Bruttolohn von 5300 Euro. Ich glaube, dieser Herr hat sich noch nie in handwerklichen Kollektivverträgen umgesehen. Eine Bezahlung über Kollektivvertrag kommt kaum mehr vor, ganz im Gegenteil: Die Arbeiterkammer kämpft immer mehr dafür, dass die Leute überhaupt nach Kollektivvertrag bezahlt werden.

Ein Tischlermeister hat einen Brutto-Monatslohn von 2580 Euro, andere Berufsgruppen liegen zum Teil etwas darüber, aber woher Herr Derntl diese Fantasiezahl von durchschnittlich 5300 Euro hat, ist mir schleierhaft. Es kommt nicht von ungefähr, dass mit Mitte 30 nur noch ca. die Hälfte im erlernten Beruf arbeitet.

Ich war 40 Jahre Lkw-Fahrer, 13 davon im europäischen Fernverkehr, alle meine Arbeitskollegen waren diese sogenannten begehrten Facharbeiter. Von den Leuten, welche derzeit durch Salzburg einen Obus oder durch das Land den Postbus lenken, sind ziemlich wahrscheinlich 90 % diese begehrten Facharbeiter. Warum verlassen die alle ihren Beruf?

Übrigens, die 2580 Euro brutto sind ca. 1950 Euro netto. Das ist weniger, als ich als Lkw-Fahrer Pension erhalte. Wenn dieser Tischlermeister in Pension geht und 40 Jahre Durchrechnungszeit hat, ist er Mindestpensionist.

Hinzu kommt, dass nicht jeder Facharbeiter Meister werden kann, denn unzählige Firmen bezahlen auch dem Meister nur einen Lohn als Geselle, weil sie keinen weiteren Meister brauchen. Dass ein Handwerksmeister erst seit Kurzem seinen Titel auch in seine Papiere eintragen und auf das Namensschild der Hausglocke schreiben darf, während das Studierte das schon immer durften, sei nur nebenbei erwähnt.

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