„Falstaff“ – heftige Turbulenzen in Windsor

Falstaff

Giuseppe Verdis letzte große Oper, eine „Commedia lirica“ in drei Akten, sechs Jahre nach Otello komponiert, wurde von Florentine Klepper mit Studierenden der Universität Mozarteum als turbulente, actionreiche Komödie in Szene gesetzt. Die umjubelte Premiere fand am 15. Mai 2024 im Max Schlereth Saal statt. Große Oper, großer Spaß!

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Während John Falstaffs Kumpane Bardolfo und Pistola noch ihren Rausch ausschlafen, macht er sich schon ein ordentliches Frühstück, denn eine so mächtige Figur hat natürlich auch mächtigen Hunger. Das Geld ist allerdings knapp. Zwei gleichlautende Liebesbriefe, an zwei Gattinnen wohlhabender Männer verfasst, könnten da weiterhelfen. Der Plan geht allerdings gehörig schief, denn die Damen durchschauen Falstaffs fiese Absicht und so landet er statt im Liebesnest in der kalten Themse.

Der Auftritt des eifersüchtigen Mr. Ford führt zu einer Hetzjagd, bei der wirklich jeder Winkel des Hauses durchleuchtet wird. Der nasse, gedemütigte Falstaff gibt aber nicht so schnell auf. Er lässt sich auf ein weiteres Treffen mit Alice Ford ein, diesmal um Mitteracht unter der Eiche im Park. Die Geisterstunde wird für ihn äußerst schmerzhaft, denn die munteren Elfen kennen keine Gnade. Für das junge Liebespaar Nannetta und Fenton endet der Abend im Glück. Nun müssen sie sich nicht mehr hinter einem Duschvorhang verstecken. Verdis grandiose Schlussfuge „Alles in der Welt ist Spaß!“ beendet die Komödie. Wir alle sind Narren „Tutti cappati“!

Romy Rexheusers (Ausstattung) graues Bühnenbild mit den vielen Türen erinnert an den Aufenthaltsraum eines Studentenwohnheims: gemütliche Couchlandschaft, kleine Küche, Waschmaschine und Getränkeautomat, alles perfekt und praktisch. Mit dem ukrainischen Bariton Sergey Korotenko steht ein wahrlich imposanter Falstaff in Jeans und weißem T-Shirt auf der Bühne, der nicht nur gesanglich, sondern auch mit enormer Beweglichkeit überzeugt. Wenn es für ihn gut läuft, tänzelt er fast wie eine Elfe.

Der Regisseurin war bewusst, dass Verdis Falstaff Bewegung verlangt. In Workshops mit Ulf Kirschhofer und Volker Wahl konnten die Studierenden ihre Körperlichkeiten ausprobieren und lernen, bei Improvisation und Slapstick ihre Hemmungen abzubauen. Das setzt die muntere Truppe überaus erfolgreich um. Nur gut, dass bei der fast akrobatischen Verfolgungsjagd niemand im Orchestergraben landete. Der rasend eifersüchtige Mr. Ford (Jeconiah Retulla) jagt mit seinem Freund Dr. Cajus (Konstantin Igl), Bardolfo (Jonah Raupers) und Pistola (Dominik Schertl), bewaffnet mit Besen, Wischmopp und Toilettenpömpel durchs Haus. Sie finden aber nur die jungen Liebenden Nannetta (Anastasia Fedorenko) und Fenton (Lucas Pellbäck).

Auch die lustigen Weiber von Windsor haben es in sich. Die Angebeteten Alice Ford (Donata Meyer-Kranixfeld) und Meg Page (Julia Maria Eckes), die freche Mrs. Quickly (Jesse Mashburn) und die schwer verliebte Nannetta wissen genau, wie sie die Männer an der Nase herumführen können. Ein Highlight der Oper ist für mich immer die Schlussszene und da geht es in dieser Inszenierung wirklich rund. Grandios der Titelheld als schwarzer Jäger, der nun bei seinem heißgeliebten Blumentopf, ja es ist eine Eiche, auf seine süße Alice wartet. Dr. Cajus hat das Nachsehen, denn nun hat er seine Nannetta endgültig verloren.

Der Orchestergraben ist fast zu klein für das Sinfonieorchester der Universität Mozarteum. Unter dem Dirigat von Kai Röhrig kommt diese Ensemble- und Orchesteroper mit ihren vielen schnellen Wechseln in der Partitur zu mächtigem Klang sowie säuselnden, zärtlichen Momenten. Ein wirklich großer Opernabend, bei dem einfach alles passt. Bravissimo!

Dorfgockel

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