Ausgerechnet in Maria Plain, wo sonst Andacht, Aussicht und Ausflugsfrömmigkeit zuhause sind, steht nun Radetzky. Ein Feldherr aus Stein, mehr als zwei Meter hoch, aus Untersberger Marmor, direkt vor der Basilika. Salzburg hat sich damit nicht nur ein Denkmal gesetzt, sondern auch eine Geschichtsdebatte an einen besonders heiklen Ort geholt.

Von Karl Traintinger
Schon die Vorgeschichte ist aufschlussreich. Ursprünglich war die Statue für Anthering gedacht, beim Lokalbahnhof. Dort wollte man den Feldmarschall dann doch nicht im öffentlichen Raum ehren. Also bekam er in Maria Plain einen Platz, der prominenter und symbolischer kaum sein könnte. Ein Wallfahrtsort ist eben nie nur Kulisse. Er wertet auf. Genau das macht die Sache so heikel.
Natürlich war Josef Wenzel Radetzky von Radetz eine bedeutende Figur der Habsburgermonarchie. Er kämpfte im Salzburger Flachgau gegen Napoleon, gewann 1848 bei Custozza und 1849 bei Novara und wurde zum Symbol monarchischer Ordnung. Der Radetzky-Marsch tat das Seine, um ihn tief im österreichischen Gedächtnis zu verankern. Österreich hat ja eine gewisse Vorliebe für Männer, bei denen Härte noch immer als Haltung gilt.
Nur war Radetzky eben nicht bloß der erfolgreiche Feldherr. In Norditalien ließ er Aufstände mit großer Härte niederschlagen. Der Verweis auf Castelnuovo, wo 1848 unter seinem Oberbefehl ein Massaker an Zivilisten verübt worden sein soll, macht das sehr konkret. Dazu kommt die Belagerung Venedigs mit tausenden Geschossen, Brandkörpern und Bombenballons. Das hat mit heroischer Erinnerung weniger zu tun als mit einer Form militärischer Gewalt, die man im Rückblick gern milder betrachtet, als sie war.






Man kann historische Figuren nicht einfach aus der Geschichte streichen. Aber ein Denkmal ist eben mehr als Erinnerung. Es ist immer auch eine Ehrung. Wer jemanden auf einen Sockel stellt, sagt nicht nur, dass es ihn gab, sondern auch, dass er heute noch öffentliche Geltung haben soll.
Und genau da liegt in Maria Plain das Problem. Ein Ort der Andacht ist kein neutraler Platz. Dort bekommt ein Feldherr fast automatisch etwas Erhabenes. Ohne Einordnung droht die Statue so zum steinernen Missverständnis zu werden: schön gesetzt, handwerklich eindrucksvoll, historisch aber allzu einseitig.
Man kann Radetzky öffentlich zeigen. Aber man sollte nicht so tun, als erschöpfe sich seine Geschichte in Marschmusik und monarchischer Loyalität. Sonst wird aus Maria Plain kein Ort der Auseinandersetzung, sondern bloß ein alter Heldenkult mit wunderschönem Panorama.
Siehe auch:
Denkmal zur Schlacht am Walserfeld >
Der Radetzky-Orden >

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Von Sandra Pichler

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