Festspielhaus 1926: Kunst, Umbau, Erinnerung

Vier Masken Block

Der Vier-Masken-Block wurde von Jakob Adlhart 1926/27 geschaffen. (© Michael Neureiter)

Vor 100 Jahren prägten Anton Faistauer mit der Gestaltung des Foyers und Jakob Adlhart mit seinen Arbeiten im Portal und im Foyer das Festspielhaus von 1926 und verliehen diesem bedeutenden Bauwerk eine ganz besondere künstlerische Ausstrahlung.

Michael Neureiter

Von Michael Neureiter

Es begann vor 100 Jahren: Clemens Holzmeister gestaltete ab März 1926 den Umbau des Salzburger Festspielhauses. Der im April dieses Jahres im benachbarten Kolleg St. Benedikt angebrachte Kollegchristus war, so sein Schöpfer Jakob Adlhart, „längst den davon Ergriffenen eine Stätte der Andacht, den anderen eine Stätte des Schreckens geworden“.

Adlharts Vier-Masken-Block

Da begegnete Adlhart 1926 dem Architekten, der ihn einlud, für das Hauptportal des Festspielhauses einen Maskenblock aus Marmor zu hauen, „antikische Masken“ sollten es werden. Adlhart verwendete als Material Laaser Marmor aus Südtirol. Im Jahr darauf saß der über fünf Tonnen schwere Block in der offenen Lünette über dem Eingang des heutigen „Hauses für Mozart“.

Das Faistauer-Foyer

Im Frühjahr 1926 wurde der größte Auftrag seines Lebens an Anton Faistauer herangetragen, die Gestaltung des Foyers des Festspielhauses. Holzmeister sah in ihm den „Retter in der Not“: Der damals noch viel angefeindete Maler „verwob alles zu einem einheitlichen Werk in Farbe und Maßstab“, wie Holzmeister berichtete. Ab Peter und Paul (am 29. Juni) stand das Gerüst, und in nur sechsundzwanzig Arbeitstagen schuf Faistauer mit seinem Team auf etwa dreihundert Quadratmetern Fläche in Freskotechnik das von ihm konzipierte Werk. Er wurde damit mit einem Schlage ein berühmter Mann.

Faistauer 1926
Die linke Wand im Faistauer-Foyer in einer Aufnahme aus 1926 (© Salzburger Festspiele, Archiv)

Faistauer 1926. Die linke Wand im Faistauer-Foyer in einer Aufnahme aus 1926 (© Salzburger Festspiele, Archiv)

Nach dieser Strapaz und einer Erholung in seiner Heimat Maishofen malte er noch die Wandfresken im benachbarten Hof des Kollegs St. Benedikt, den Gnadenstuhl und die Sonnenuhr mit dem Gnadenbild von Maria Plain. Schon bei deren Vorbereitung hatten Adlhart und Faistauer einander näher kennengelernt.

Faistauer 1926
Die linke Wand im Faistauer-Foyer in einer Aufnahme aus 1926 (© Salzburger Festspiele, Archiv)

Die linke Wand des Faistauer-Foyers in einer Aufnahme aus 1971. Teile der Flächen sind nur in hell/dunkel ausgeführt, wohl wegen Verlusten nach 1939? (© Cc-by-sa-4.0Haus für Mozart, Salzburg – Faistauer-Foyer (2)CC BY-SA 4.0)

Die Werkleute auf Faistauers Werk

Die vom Haupteingang gesehen linke Wand des Foyers zeigt die 1926 geschaffenen, 1927 überarbeiteten, 1939 abgenommenen und 1956 wieder angebrachten Wandmalereien mit dem Bauherrn Landeshauptmann Franz Rehrl und Architekt Clemens Holzmeister, links von ihnen die Werkleute mit Anton Faistauer (Selbstbildnis ganz links oben), darunter Jakob Adlhart und Kollegen, rechts von ihnen ein Festmahl (Jedermann) mit Zuschauern und Musikanten.

In der Gruppe der Handwerker arbeitet nach Meinung von Experten Jakob Adlhart (?) mit seinem Gehilfen Franz Budig (?) an einem Felsblock, wohl dem Vier-Masken-Block. Rechts von ihnen sind vermutlich Karl Bodingbauer (?) und Hans Pontiller (?) an einer anderen Skulptur tätig.

Schicksale von Kunstwerken: Entfernen, Verstecken, Vernichten

Die Werke von Anton Faistauer und Jakob Adlhart wurden nach dem „Anschluss“ 1938 von den neuen Machthabern entfernt, versteckt, vernichtet: Der Kollegchristus Adlharts 1926 wurde 1939, weil nach aktueller Kunstauffassung „verdammt jüdisch anmutend“, in der Kreuzkapelle von St. Peter vor der Öffentlichkeit versteckt und kehrte erst nach dem 2. Weltkrieg wieder in das Kolleg zurück. Adlharts „Genien“ im Toscaninihof wurden knapp nach ihrer Fertigstellung 1938 vom neuen Regime zerstört und konnten 40 Jahre später 1978 auf Initiative des Landes Salzburg und der Salzburger Festspiele vom inzwischen 80jährigen Künstler wiederhergestellt werden. Und die Fresken des Faistauer-Foyers wurden 1939 entfernt und erst 1956 wieder am ursprünglichen Platz angebracht.

Ich habe Jakob Adlhart in seiner Halleiner Werkstatt erlebt und halte es für wichtig, diese bemerkenswerten Vorgänge des Entfernens, Versteckens und Vernichtens nicht in Vergessenheit geraten zu lassen: „Die Untaten gerade auch in der Zeitgeschichte dürfen wir nicht untätig hinnehmen! Sie gehören bloßgestellt und in Zukunft verhindert!“

Siehe auch:
Jakob Adlhart >

Adlhart

Buchtipp: „Der Bildhauer Jakob Adlhart“ von Adolf Hahnl
Aktualisierter Nachdruck der 1. Auflage von 1980
Erschienen 2026 im Verlag St. Peter Salzburg

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