Ein keramisches Relief der Della-Robbia-Schule am Meierhof von Schloss Neuhaus
An der unscheinbaren Fassade eines Hauses in der Andrä-Blüml-Straße 30 in Salzburg verbirgt sich ein bemerkenswertes Detail: ein farbiges Keramikrelief, das stark an die Werke der berühmten Florentiner Künstlerfamilie della Robbia erinnert.

Von Karl Traintinger
In der Tradition der Renaissance-Meister zeigt es die Jungfrau Maria kniend neben dem Jesuskind, gerahmt von einem üppigen Frucht- und Blumenkranz, gekrönt von zwei Putti – ein klassisches Motiv der sogenannten Madonna in adorazione (betende Maria).
Das Original dieses Typs stammt aus der Werkstatt von Andrea della Robbia und befindet sich heute im Museo di San Marco in Florenz. Es entstand um 1486 und gehört zu einer Serie personalisierter Reliefs, oft mit Familienwappen versehen. Die Salzburger Version ist eine spätere Nachbildung, vermutlich aus Italien importiert und am ehemaligen Meierhof von Schloss Neuhaus angebracht – wann genau, ist unklar.




Aufschrift über der Tafel über der Eingangstür: IOAN(NES) ERNEST(US) ARCH(IE)P(ISCOPU)S ET PR(INCE)PS SALISBURG(ENSIS) 16 E CINERE EREXIT 97 | Johann Ernst [von Thun und Hohenstein], Erzbischof und Fürst von Salzburg, hat dies aus der Asche wieder aufgerichtet, 1697
Bemerkenswert ist nicht nur die künstlerische Qualität des Reliefs, sondern auch seine symbolische Aufladung: Die Darstellung von Fürsorge, Reinheit und göttlicher Nähe verweist auf ein starkes religiöses Bewusstsein, das auch über die Jahrhunderte hinweg in der lokalen Architektur fortlebt. Ergänzt wird dieses kulturelle Erbe durch eine lateinische Inschrift am Haus, die an den Wiederaufbau nach einem Brand im Jahr 1697 erinnert – initiiert von Fürsterzbischof Johann Ernst von Thun.
Dieses Relief ist somit nicht nur ein künstlerisches Zitat aus Florenz, sondern auch ein stiller Zeuge der weitreichenden kulturellen Verbindungen zwischen Salzburg und Italien – und ein lebendiges Beispiel dafür, wie Kunst im öffentlichen Raum Geschichte bewahrt.

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