Fünf Wörter gegen das Unheil

Das Sator-Quadrat am Haubingergut in Schönberg Dorfbeuern

Das Sator-Quadrat am Haubingergut in Schönberg Dorfbeuern | Foto: Karl Traintinger

Das Sator-Quadrat im Salzburger Land

Kleine, leicht zu übersehende Spuren prägen oft eine Landschaft kulturell: alte Hauszeichen, verwitterte Inschriften oder Zeichen an Mauern. Dazu gehört auch das Sator-Quadrat, ein Wortquadrat aus fünf lateinischen Wörtern, das bis heute Rätsel aufgibt. Im Land Salzburg ist es in Hallein, Golling und Dorfbeuern zu finden und gilt als Beispiel für Erinnerungskultur, Volksglauben und die Wirkung alter Zeichen.

Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Das Sator-Quadrat besteht aus den Wörtern SATOR, AREPO, TENET, OPERA und ROTAS. Sie sind in fünf Zeilen mit je fünf Buchstaben angeordnet. Auffällig ist seine strenge Symmetrie: Das Quadrat lässt sich waagrecht und senkrecht, vorwärts und rückwärts lesen. In der Mitte steht das Wort TENET, das dem Ganzen eine klare innere Ordnung gibt. Die korrekte Bezeichnung lautet: 2D-Palindrom.

Die genaue Bedeutung der Wortfolge ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Meist wird sie sinngemäß mit „Der Sämann Arepo hält die Räder“ oder „Der Sämann Arepo lenkt sein Werk“ wiedergegeben. Vor allem das Wort AREPO gibt der Forschung seit langem Rätsel auf. Ob es ein Eigenname, ein verlorenes Wort oder eine bewusste Setzung ist, bleibt offen. Gerade diese Unklarheit dürfte dazu beigetragen haben, dass das Sator-Quadrat über Jahrhunderte hinweg seine Anziehungskraft bewahrt hat.

Seine Geschichte reicht weit zurück. Das älteste bekannte Beispiel wurde in Pompeji gefunden und stammt aus dem 1. Jahrhundert nach Christus. Von dort aus lässt sich die Formel durch viele Epochen und Regionen Europas verfolgen. Sie findet sich auf Mauern, in Handschriften, in Kirchen, auf Amuletten und an Hausfassaden. Vielerorts galt das Sator-Quadrat als Schutzzeichen gegen Feuer, Krankheit und andere Gefahren des Alltags. Es war damit nicht nur ein sprachliches Kunststück, sondern auch Ausdruck eines religiösen oder magischen Schutzbedürfnisses.

Später wurde das Quadrat auch christlich gedeutet. Aus seinen Buchstaben lässt sich zweimal das Wortpaar PATER NOSTER in Kreuzform bilden; übrig bleiben A und O, also Alpha und Omega. Diese Lesart machte das Sator-Quadrat für viele zu einem verborgenen christlichen Symbol. Ob dies seiner ursprünglichen Bedeutung entspricht, ist nicht gesichert. Gerade diese Offenheit zeigt jedoch, wie alte Zeichen im Lauf der Zeit neue Bedeutungen annehmen können.

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