Villa Honsig | Mildenburggasse 8
Unweit des Volksgartenbades steht die 1909 errichtete Villa Honsig. Vermutete Helene Karrer in ihrem Buch „200 Jahre Villenbau in Aigen“ noch, dass der Bauherr hier selbst als Planer in Erscheinung trat, dürfte bei der Erbauung der prächtigen Villa auch Otto Thalmann involviert gewesen sein. Über ihn ist leider kaum etwas in Erfahrung zu bringen.

Von Christoph Koca, Salzburg
Austria Guide, Kunstspaziergang.com
Ein lokaler Stararchitekt plante den Garagenanbau
Die Villa mit „biedermeierlichen Anklängen und eigenwilliger Kombination architektonischer Detailformen“[1] wird an den Gebäudekanten von weißen Putzlisenen gegliedert. An der Westseite befindet sich zentral ein dreiachsiger segmentbogenförmiger Vorbau, an dessen Balkonbrüstung ursprünglich die Familienwappen angebracht waren, von denen sich heute nur noch eines erhalten hat.
Interessant erscheint der weiße Putzstreifen unter dem Dreiecksgiebel der Mittelachse, dieser erzeugt die Illusion eines geschwungenen Giebels, ähnlich den Giebelformen der Bürgerhäuser in Landshut oder Schärding. Über dem dreiteiligen Balkonfenster ruht eine Marienfigur auf einer Konsole, ein Hinweis auf Einflüsse des Heimatstils.
An der Nordseite befindet sich ein polygonaler Erkeranbau. Im Westen erhielt die Villa 1951 einen Garagenanbau im Heimatschutzstil. Geplant wurde dieser mit einem Wetterhahn auf dem Zeltdach ausgestatte Zubau von Wunibald Deininger und Josef Anton Jenner. Der Otto Wagner Schüler Deininger gilt als einer der wichtigsten Architekten der Zwischenkriegszeit in Salzburg. Wohl nicht die einzige Veränderung, die das Haus in den letzten Jahrzehnten erhielt, deuten doch die Dachgauben an der Westseite auf eine Erweiterung der Wohnfläche hin.






Der Bauherr
Der Bauherr, Franz Honsig, Edlen von Jägerhain, wurde 1908 vom Baupraktikant zum Bauadjunkten[2] befördert, durchaus möglich also, dass er an der Planung seines Hauses beteiligt war. Noch im selben Jahr ehelichte Honsig in der Rupertikapelle des Salzburger Doms das Fräulein Guida Ehrler v. Erlenburg.“[3] 1911 folgte die vom Landespräsidenten verliehene Ernennung zum k.k. Ingenieur[4]. Auch im Kampfeinsatz machte sich Honsig als Oberleutnant verdient. So verlieh ihm der Kaiser die „Allerhöchste belobende Anerkennung bei gleichzeitiger Verleihung der Schwerter.“[5] Sein Haus fristet zurzeit ein Schattendasein, eine Renovierung würde ihm guttun.
[1] Helene Jarrer, 200 Jahre Villenbau in Aigen; mit Abfalter, Parsch und Glas, Salzburg 1990, S. 86
[2] Salzburger Chronik, 27.10.1908, S. 3
[3] Salzburger Chronik, 28.4.1908, S. 5
[4] Salzburger Wacht, 15.9.1911, S. 4
[5] Salzburger Volksblatt, 5.11.1917. S. 3

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