Hallein, wo kleine Begegnungen zählen

Hallein

Kunst im öffentlichen Raum auf der Salzachbrücke - Beton, Eiche, Haubitz + Zoche, Landungssteg 2009 | Foto: Karl Traintinger

Alois Schöninger

Von Alois Schöninger
Hallein, Salzburg

Ein guter Morgen.

Ich gehe zur Arbeit.

Wie fast jeden Tag seit mehr als dreizehn Jahren. Durch Hallein, Richtung Geschäft.

Manchmal mache ich vorher noch einen kleinen Umweg. Auf einen Kaffee.

Ich setze mich hin, bestelle, schaue ein bisschen herum.

„Morgen, Alois!“

Jemand grüßt.

Ich grüße zurück.

Dann kommt der Nächste vorbei, bleibt kurz stehen. Zwei, drei Sätze. Nichts Wichtiges. Wie geht’s, was gibt’s Neues, schönes Wetter heute.

Und genau das ist schön.

Diese kleinen Begegnungen, die eigentlich völlig bedeutungslos sind und trotzdem einen guten Morgen ausmachen können.

Ich trinke meinen Kaffee und beobachte die Stadt.

Die alten Häuser. Die Gassen. Menschen auf dem Weg zur Arbeit. Andere, die offenbar mehr Zeit haben als ich.

Hallein kann was.

Nicht auf diese laute Art, bei der man ständig erklären muss, wie großartig alles ist.

Sondern leise.

Man kennt sich.

Man grüßt sich.

Man bleibt stehen.

Man redet miteinander.

Vor mehr als dreizehn Jahren habe ich hier mein Schuhgeschäft eröffnet.

Natürlich habe ich damals gerechnet.

Miete. Frequenz. Einzugsgebiet. Umsatz.

Man schreibt Zahlen auf und versucht daraus eine Zukunft abzulesen.

Aber manche Dinge stehen in keiner Kalkulation.

Zum Beispiel, wie es sich anfühlt, dreizehn Jahre später morgens zur Arbeit zu gehen und unterwegs von Menschen gegrüßt zu werden.

Ich zahle meinen Kaffee.

Stehe auf.

Gehe die letzten Meter zu meinem Geschäft.

Sperre die Tür auf.

Und denke:

Ja.

Ich wusste schon, warum ich damals Hallein gewählt habe.

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