Heinz Kröpfl: Tollwut

Heinz Kröpfl | Foto: © Anuradha Sarup

Heinz Kröpfl | Foto: © Anuradha Sarup

Heinz Kröpfl: Tollwut

Autor: Heinz Kröpfl
Titel: Tollwut
Genre: Belletristik/ Erzählende Literatur
ISBN: 978-3-8260-9438-5
Verlag: Königshausen & Neumann
Erschienen: 2. 3. 2026

Klappentext

Eine Handvoll Menschen. In einer Wohnsiedlung mit Grünanlage. An einem heißen Samstagnachmittag, der zutage tritt mit der Atmosphäre eines Kleinstadt-Westerns. Auf der einen Seite: ein Schriftsteller und vermeintlicher Mörder, der wieder freigelassen wurde und befürchtet, sich im Gefängnis totgeschrieben zu haben – Jeremias, bekannt aus Jagdrausch. In die Geschehnisse unvermittelt hineingezogen: ein früherer Fußballtorhüter, der später als Beamter um sein Leben lief und mit seiner Passion für antike Philosophie und Literatur ein Faktotum ist – Kleinstauber, bekannt aus Bis zum Wendepunkt und Lebensläufe.

Zwischen die Fronten geraten: Susanne, ein Angsthäschen, wie es im Buche steht, das einiges zu verbergen hat, was im Wortsinn in die Hose geht – ein bisher unbeschriebenes Blatt. Und auf der anderen Seite: ein seit Kurzem degradierter, doch umso motivierterer Polizist, der nach Rehabilitierung lechzt – bekannt auch er aus Jagdrausch. Der Eindruck von Bedrohung bestimmt sofort das Geschehen. Innenwelten wölben sich. Traumata brechen auf. Rasch fürchtet und verdächtigt jeder fast jeden. Ängste verdichten sich. Der Druck steigt. Die Lage spitzt sich zu. Bis es zum Showdown kommt. In dem sich alle wiederfinden. In wilder Wut – oder auch in stiller. Literatur in Echtzeit. Und Ennio Morricone erklingt dazu.

Von Peter Reutterer
Autor, Musiker und Kulturvermittler
Henndorf, Flachgau, Salzburg

Überraschend witzig diese „Tollwut“

Zunächst fühlt man sich im neuen Buch von Heinz Kröpfl einfach zu Hause, wenn man sich zu den Lesern seines inzwischen umfangreichen wie bemerkenswerten Werkes zählen darf. Da gibt es wieder den Schriftsteller Jonas Jeremias, der – einstmals erfolglos – inzwischen einen Bestseller gelandet hat, allerdings aufgrund der unerquicklichen Erfahrungen und der zur Verfügung stehenden Zeit während eines fälschlich verhängten Gefängnisaufenthaltes. Wie Jeremias kennen wir auch schon den schwitzenden Polizeiinspektor, der nun – allerdings degradiert – mit seinem Kollegen aus „Jagdrausch“ einigermaßen tölpelhaft seines Amtes waltet. Nicht genug der alten Bekannten, da taucht in einem höchst vergnüglichen Szenario noch „Kleinstauber“, der Torwart aus der Fußballnovelle „Bis zum Wendepunt“, auf. Ein durchaus humoristisches Figuren-Setting, dass von einer recht hypochondrischen und etwas paranoiden Dame namens Susanne vervollständigt wird.

In dieser Atmosphäre eines Kleinstadtwesterns entwickelt sich eine spannungsgeladene Pattstellung. Die beiden Polizisten wollen den Schriftsteller wegen einer öffentlichen Äußerung am Vorabend befragen, dieser weigert sich vehement, die Tür zu öffnen. Jeremias ist sich nämlich keines Vergehens bewusst und befürchtet, zum wiederholten Male schuldlos im Gefängnis zu landen. Vom Balkon gegenüber wird der Polizeieinsatz von Kleinstauber beobachtet, aus dem einen oder anderen Versteck von der sich Schlimmstes ausmalenden Susanne. Das Bedrohliche beherrscht an diesem heißen Nachmittag die Wohnsiedlung mit Grünanlage. Ein Showdown mit den bewaffneten Polizisten ist nicht auszuschließen.

In raschem Perspektivenwechsel werden die Leser in die Innenwelten der Agierenden mitgenommen. Wenn auch vieles davon tragische Komponenten enthält (z.B. die Leiden Susannes an ihren Ängsten), bricht sich immer wieder Skurriles und Witziges ihre Bahn. Z.B. erfahren wir, dass Susanne am Vorabend gegenüber einer Online-Bekanntschaft das Wort „Gebärmutterschleimhautverödung“ herausgerutscht sei, was das männliche Gegenüber abgeschreckt habe. Nebenher teilt auch Kleinstauber seine alte Erinnerungen (z.B. sein Versagen beim einstigen Schicksalsspiel) und seine spätere Entwicklung mit den Lesenden. U.a. ist er inzwischen pensioniert, hat einen Sohn, der Fußball spielt.

Aus dieser Charakteristik ersieht man, wie Heinz Kröpfl recht packend eine vielschichtige Romanwelt erstellt. Dies gelingt ihm über Rückblenden der Erinnernden, rasche Perspektivenwechsel, fesselnde Wendungen, psychologische Präzision, eine hintergründige Lösung. Ebenso präzise ist das Erzählen des Autors hinsichtlich der Abläufe von Polizeigewalt und juristischer Verfahren. Aber diesbezüglich darf nicht zu viel verraten werden, um das Finale nicht preiszugeben. Insgesamt weiß der Autor sehr genau, wovon er erzählt, ein Buch, das eindrücklich und facettenreich österreichische Kleinstadt-Wirklichkeit widerspiegelt, nicht zuletzt hinsichtlich des Umgangs mit Literatur und Autoren.

Zudem bietet das Buch Vergnügliches bis in die Details. So überhäuft etwa Kleinstauber den Leser mit lateinischen Zitaten, die Heinz Kröpfl sorgfältig belegt. Insgesamt hat sich das Schreiben des Autors zu einer leichteren Tonart entwickelt, das nicht nur mit der gewohnten literarischen Qualität und Spannung, sondern mit vielen witzigen Wendungen und satirischen Elementen aufwartet. Nicht versäumen!


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