Heute ist nichts passiert

Daniela Kasperer - Because I can - Keramik - Ölfarbe auf Leinwand (Ausschnitt) | Foto: Karl Traintinger

Daniela Kasperer - Because I can - Keramik - Ölfarbe auf Leinwand (Ausschnitt) | Foto: Karl Traintinger

Malereiklasse des Mozarteums zeigt eine eigenständig gedachte Ausstellung

Es gibt Ausstellungstitel, die viel von sich halten. „Heute ist nichts passiert“ gehört erfreulicherweise nicht dazu. Das ist auch deshalb passend, weil beim Rundgang durch den Zwergelgartenpavillon rasch deutlich wird: Natürlich ist etwas passiert. Und zwar nicht wenig.

Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Die Ausstellung der Malereiklasse der Universität Mozarteum, einem Schwerpunktbereich des Lehramtsstudiums Kunst und Gestaltung, überrascht schon in ihrer Anlage. Bilder im herkömmlichen Sinn, sauber an die Wand gehängt, sucht man weitgehend vergebens. Die Arbeiten stehen, gruppieren sich in der Mitte der Halle, manche sind begehbar. Das ist mehr als ein formaler Einfall. Es bringt den Blick in Bewegung und macht den Raum selbst zum Teil der künstlerischen Aussage. Die Schau zeigt sich dabei erfreulich bunt und vielfältig, ohne je beliebig zu wirken.

Ausgangspunkt für den Titel ist die bekannte „Rien“-Anekdote: Louis XVI. soll am Tag des Beginns der Französischen Revolution in sein Tagebuch „nichts“ eingetragen haben – allerdings deshalb, weil es ihm darin um Jagderfolge ging. Die Pointe liegt auf der Hand: Was als Ereignis gilt, hängt vom Blick darauf ab. Genau an diesem Punkt setzt die Ausstellung an. Sie befragt das Passieren und Nichtpassieren, das Wahrnehmen, Festhalten und Übersehen in Alltag und Überlieferung.

Die 16 beteiligten Künstler:innen machen daraus keine schwerfällige Theorieveranstaltung, sondern eine offene, klug gesetzte Präsentation. Dass Malerei hier nicht auf Fläche und Rahmen beschränkt bleibt, sondern in den Raum tritt, ihn gliedert und behauptet, zählt zu den stärkeren Qualitäten dieser Ausstellung. Der Verzicht auf das klassische Hängen wirkt dabei nicht demonstrativ, sondern folgerichtig.

Bemerkenswert ist auch, dass die Schau in Eigenregie und unabhängig vom Mozarteum organisiert wurde. Das gibt ihr jene angenehme Selbstständigkeit, die man studentischen Projekten nur wünschen kann: weniger Studiennachweis als selbstbewusste Setzung.

Künstler:innen:
Sophie Aichinger, Benjamin Binder, Fabian Gegenhuber, Maria Geiser, Clara Grabner, Carina Huber, Mirjam Kämmerer, Daniela Kasperer, Jasmin Kern, Leonie Lindinger, Christine Neuhofer, Fabian Novi, Kathrin Radspieler, Toni Sophie, Elena Wallner, Sophie Weißhaupt-Moser.

„Heute ist nichts passiert“, Stadtgalerie Zwergelgarten (Josef-Thorak-Pavillon), bis 27. Juni 2026.

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