Im Zeitalter der Tangas

Im Zeitalter der Schnurhöschen

Es war einmal eine Zeit, da gingen Frauen ins Freibad, legten das Oberteil ab und genossen die Sonne. In den 1970er- und 1980er-Jahren war das normal – und wer hinschaute, war nicht automatisch ein „virtueller Grapscher“, sondern zunächst ein Mensch mit Augen.

Heute ist die textile Ordnung komplizierter: Oben bleibt alles bedeckt, während die Bikinislips (vulgo: Schnurhöschen) um den letzten Quadratzentimeter kämpfen. Auf der Straße hingegen werden Hosen, Röcke immer knapper, bauchfrei ist für viele Ladies Alltag und im Bad wird der Busen zur Staatsangelegenheit.

Der Grund ist nicht nur neue Prüderie, sondern vor allem die allgegenwärtige Handykamera. Früher blieb ein Blick ein Blick. Heute kann daraus ein Foto, ein Posting und ein digitales Nachleben werden. Wer möchte schon unfreiwillig als Badegast viral gehen? Was einst als Befreiung galt, empfinden viele heute als Auslieferung an den fremden Blick. Verständlich: Niemand möchte beim Sonnenbaden zur Hauptrolle in den Fantasien anderer werden – schon gar nicht in 48-Megapixel-Auflösung.

Die Pointe unserer Zeit: Je freizügiger die Mode, desto größer die Empfindlichkeit gegenüber nackter Haut. Der Körper ist überall – aber bitte selbst bestimmt und ohne Zoomfunktion. Oben ohne muss niemand baden. Hinschauen muss niemand. Anstand allerdings sollten alle mitbringen. Der war früher auch nicht selbstverständlich, kam aber ohne Passwort aus.

Siehe auch:
YouTube: Reinhard Fendrich – Oben ohne >

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1 Kommentar zu "Im Zeitalter der Tangas"

  1. Januschefski Januschefski | 13. August 2026 um 09:11 |

    Trifft genau den Punkt. In Zeiten der Scheinmoral und (Internet)pornografie ist der Wandel zum Verhüllen ein gesellschaftlicher Rückschritt auf der ganzen Linie. Da lobe ich mir die Freiheiten diesbezüglich in der ehemaligen DDR!

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