In 80 Tagen um die Welt

Seebühne Seeham

Ein Wettlauf gegen die Zeit

Auf der Seebühne Seeham begeistert heuer Susanne F. Wolfs turbulentes Theaterstück nach Jules Vernes Klassiker aus dem Jahre 1873 das Publikum. Regisseur Gerard Es schafft es, mithilfe moderner Technik 21 Schauplätze zu bespielen.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Eisenbahnen, Schiffe, ein Elefant und sogar ein Ballon stehen bereit, um die Welt möglichst schnell zu umrunden. Leider gibt es auch jede Menge unvorhergesehene Hindernisse, die nur mit menschlicher Findigkeit überwunden werden können. Die umjubelte Premiere fand am 28. Juni 2024 bei strahlendem Wetter statt und war wie jedes Jahr eine Benefizveranstaltung zugunsten der ORF Aktion „Licht ins Dunkel“ zweckgewidmet den Schmetterlingskindern.

Bestens gelaunt stellt sich der pfiffige Diener Passepartout vor:

„Isch abe die Ehr’ un das Vergnügen, Ihnen aujourdoui su erzählen, die Geschischte von meiner wundersamen voyage rund um die Erd’. Es war natürlisch eigentlisch die voyage von meine maitre, Mister Phileas Fogg.“

Nachdem er schon die verschiedensten „nervenzerfetzenden“ Berufe ausprobiert hatte, wollte er nun in London ein ganz langweiliges Dasein führen. Doch schon am ersten Tag muss er mit seinem neuen Herrn, dem schwerreichen und sehr seltsamen Gentleman Phileas Fogg, aufbrechen und wegen einer Wette mit ihm möglichst schnell um die Welt reisen. Diese überstürzte Abreise macht Fogg für Francis Fix, Geheimagent von Scotland Yard, verdächtig. Da vor Kurzem die Bank of England ausgeraubt wurde, hält er ihn für den gesuchten Gentleman-Räuber und heftet sich an seine Fersen.

Richtig turbulent wird die Reise in Indien, denn hier geht ohne Bakschisch gar nichts. Auch auf die Züge ist kein Verlass, denn die Bahnstrecke endet mitten im Dschungel. Während sich Fix ein Fahrrad organisieren kann, geht es für Fogg mit einem Elefanten weiter. Eine Witwenverbrennung kann dank der Kreativität von Passepartout verhindert werden, und die gerettete Prinzessin Aouda Marsam wird ihre neue Begleiterin. Kein Wunder, dass sich die hübsche Dame in ihren Wohltäter verliebt, doch der ist Damen gegenüber leider sehr „neutral“. In Japan geht Passepartout verloren und landet als Dummer Augustin in einem Zirkus. In San Francisco trifft er wieder auf Fogg und nun geht es durch den gefährlichen Wilden Westen, wo neue Abenteuer auf die Reisenden warten.

Die Welt ist käuflich und so schmilzt das Reisekapital ständig. Schließlich muss Fogg sogar ein ganzes Schiff kaufen, um rechtzeitig nach London zu kommen. Doch die Zeit ist knapp, es wird wirklich eng.

Thomas Herbst brilliert als umtriebiger, charmanter Diener mit hinreißendem französischen Akzent. Roman Leobacher gibt den stocksteifen englischen Gentleman, der auf Präzision und Zuverlässigkeit großen Wert legt, aber für seinen Diener ein bisschen „malade in die Kopf“ ist. Dass die hübsche Elsie (Verena Lahnsteiner) von Passepartout fasziniert ist, ist absolut verständlich, doch auch die indische Prinzessin (Astrid Rizner) schafft es, den unterkühlten Fogg aus der Reserve zu locken. Alexander Eberl begeistert als nervöser Geheimagent Fix, der sich ständig mit Tabletten zu beruhigen versucht. Humphrey Honeysuckle (Hans Sporer), Ing. Andrew Stuart (Thomas Seidl) und Earl of Earl Grey (Max Carstanjen) sitzen im Reform Club und hoffen auf eine verspätete Ankunft von Fogg, denn der Wetteinsatz ist hoch. Johannes Schimmerl wirkt als Kapitän Speedy zwar wie ein Seeräuber, doch verkauft er schließlich sogar sein Schiff an Fogg.

Großen Spaß haben in dieser Inszenierung auch die Kinder, denn sie dürfen als kleine Quälgeister die Touristen belästigen, als Kali-Anhänger zur Witwenverbrennung ziehen und noch in diverse andere Rollen schlüpfen. Rund 30 Ensemblemitglieder des Theatervereins „Die Seebühne Seeham“ kommen heuer zum Einsatz und versprühen beste Laune.

Das Bühnenbild (Ulrike Rizner) ist eher schlicht, doch durch die vielen Videoprojektionen ändert es sich ständig, können doch sowohl wogendes Meer als auch gefährlicher Dschungel eingeblendet werden. Eisenbahnen und Schiffe werden einfach aufgeklappt und schon geht die Reise weiter. Absolut faszinierend!

Eine so aufwendige Inszenierung (Gerard Es) und ein so großes Ensemble war auf der Seebühne Seeham schon lange nicht mehr zu sehen. Die rasante Abenteuergeschichte steckt voller Überraschungen und die sollte man sich nicht entgehen lassen.

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