Brüche, Würde und Verwandlung
33 Jahre nach seinem Tod begegnen wir im Shakespeare Salzburg einem Künstler neu, der nie laut war – aber tief wirken konnte.

Von Wolfgang Schwaiger
Johannes Amadeus Golznig wurde 1936 im Gurgtal in Kärnten geboren. Die Sprache und die Bühne waren früh seine Welt. Nach dem Max-Reinhardt-Seminar führten ihn Engagements nach Luzern, Basel, Düsseldorf und vor allem Berlin. Dort wurde er zu einem der gefragtesten Schauspieler seiner Zeit – ein Bühnenmensch mit einer magnetischen Präsenz, die Menschen berührte und prägte.
Später arbeitete er als Filmdramaturg in München, bis ein schwerer Schlaganfall und weitere Erkrankungen seinen äußeren Weg unterbrachen. Seine Stimme verstummte, der öffentliche Theaterraum schloss sich. Doch die Kunst verließ ihn nicht. Golznig studierte Kunstgeschichte und Literatur, schrieb Gedichte und Prosatexte. Sein Schreiben, konzentriert und oft tagebuchnah, wurde zu einem inneren Dialog über Zweifel, Einsamkeit, Glauben – und immer wieder Zuneigung.

1993 erschien der Band „Evan – Ein Leben. Johannes Amadeus Golznig“, herausgegeben von Günther Witzany bei Unipress Salzburg. Das Buch gibt jener Stimme Raum, die Golznig auf der Bühne verlor – einer Stimme, die nun auf dem Papier weiterlebt: klar, eigen und in ihrer Offenheit unmittelbar.
Auch sein bildnerisches Werk entstand unter Bedingungen, die Kunst kaum möglich scheinen lassen: in geschlossenen Abteilungen in Linz und Salzburg, ohne Materialien, ohne Atelier. Und doch begann er zu batzen, wie er es nannte – eigenwillig und programmatisch. Seine Werke seien „gebatzt, nicht gemalt“, betonte er. Bilder wie „Fenster in den Dschungel“ (ca. 1963–1965) tragen eine stille, strenge Lyrik. Sie fordern kein Spektakel, aber Aufmerksamkeit. Sie sprechen vom Fragilen, ohne darin schwach zu sein.
Golznig starb 1993 in Salzburg – verarmt, aber nicht entwürdigt. Er blieb ein Künstler, der Formen wandelte statt sich zu beugen: von der Bühnenstimme zur Papier- und Bildstimme, von der Öffentlichkeit in den inneren Raum, in dem seine Kunst klar blieb.
Diese Ausstellung ist keine späte „Rettung“, sondern eine Anerkennung ohne Pathos. Sie erinnert uns daran, dass Kunst nicht verloren geht, wenn die Bedingungen schwer werden – sie ändert nur ihr Gesicht. Und manchmal braucht es Zeit, bis wir bereit sind, genau genug hinzusehen.









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