Junge Positionen statt alter Ausreden

Maximiliane Nirschl lässt Eiswürfel aus Obertrumer Seewasser malen

Maximiliane Nirschl lässt Eiswürfel aus Obertrumer Seewasser malen | Fotos: © Karl Traintinger

Kunstformen Obertrum 2026: Junge Kunst brachte frische Farbe in die alten Gärhallen

In den alten Gärhallen der Trumer Privatbrauerei zeigte sich, dass zeitgenössische Kunst auch abseits der Stadt nicht wie ein Gast wirken muss. Die Kunstformen Obertrum 2026, vom 19. – 21. Juni, setzten auf junge Positionen, kluge Arbeiten und erfreulich wenig Getue.

Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Die von drum5162 (Pia Hager & David Maier) organisierte Ausstellung setzte auf junge Künstlerinnen und Künstler und bewies dabei ein erfreulich sicheres Gespür für Maß und Wirkung. Keine kunstbetrieblich aufpolierte Selbstinszenierung, kein demonstratives Relevanzgewitter, sondern Arbeiten, die den Raum, den Ort und auch das Publikum ernst nahmen. Das ist heutzutage nicht selbstverständlich.

Pia Hager & David Maier

Pia Hager & David Maier

Besonders schön gelang das Anna-Maria Stadler und Lukas Gwechenberger mit ihrer Arbeit Leistung. Sie nahmen Marcel Duchamps Flaschentrockner, also eines jener Objekte, die längst kunstgeschichtlich kanonisiert in den Lehrbüchern ruhen, und stellten ihm seine ursprüngliche Aufgabe wieder zurück. Flaschen wurden eingehängt, der Gegenstand durfte wieder funktionieren. Das ist in einer Brauerei natürlich ein Gedanke mit zusätzlichem Reiz. Die Arbeit war klug, unaufgeregt und von jener leichten Ironie, die nicht aufdringlich sein muss, um präzise zu treffen.

Ganz anders, aber ähnlich überzeugend, arbeitete Maximiliane Nirschl in Schmelzpunkte. Eis aus dem Obertrumer See, Farbe, Video, Zeit — viel mehr brauchte es nicht, um eine stille Studie über Vergänglichkeit und Veränderung zu schaffen. Man sah den Prozessen beim Verschwinden zu und tat damit etwas, das im Ausstellungsbetrieb sonst selten geworden ist: verweilen.

Katharina Maria Wimmer ging mit Warning weniger sanft vor. Ihre Installation zu Klimawandel, Machtverhältnissen und gesellschaftlichen Spannungen suchte nicht das bloß Gefällige, sondern setzte auf Reibung. Das ist legitim, ja notwendig. Kunst darf anstrengend sein, wenn sie mehr will als Dekoration mit Haltungsetikett.

Lenny Kaserers Faces wiederum wirkten wie emotionale Zustandsbilder. Diese Gesichter blickten einen nicht an, um verstanden zu werden, sondern um etwas zurückzulassen: Unruhe, Trotz, Verletzlichkeit. Das war direkt, ohne simpel zu sein. Manuel Tozzis I am a thousand different people verband 1.225 handgezeichnete Einzelbilder mit generationenübergreifender Zusammenarbeit zu einem Animationsprojekt, das seine Idee nicht ausstellte, sondern tatsächlich umsetzte. Und A Life Within von Tobias Wernik, Júlia Auladell und Jakob Deutschmann brachte Fotografie, Tanz und Musik in eine Form, die den Raum nicht nur bespielte, sondern spürbar auflud.

Überhaupt war es dieser Ort, der viel zum Gelingen beitrug. Die alten Gärhallen sind kein neutraler White Cube, sondern ein Raum mit Geschichte, Material und Atmosphäre. Das verlangt von Kunst entweder Durchsetzungskraft oder Klugheit. Im besten Fall beides. In Obertrum war davon einiges zu sehen.

Auch das Musikprogramm passte sich nicht bloß an, sondern ergänzte das Ganze sinnvoll. Mit Steaming Satellites, David Era x Schobes, Karl Kayzer, Statur, Aleator, Anna Maria Schönauer, Lisa Berer und Michael Schmuck wurde aus der Ausstellung ein Wochenende, das sich nicht in Einzelbeiträgen verlor, sondern als kulturelles Gesamtbild funktionierte.

Man muss aus solchen Tagen nicht gleich ein kulturpolitisches Signal destillieren. Aber man darf festhalten, dass hier etwas gelungen ist, das anderswo oft nur behauptet wird: junge Kunst ernst zu nehmen, ohne sie mit Bedeutung zu überfrachten. In Obertrum hat das erfreulich gut funktioniert.

Siehe auch:
Bunte Blüten im Verborgenen >

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