Karl Reisenbichler – ein Künstlerleben

Karl Reisenbichler – ein Künstlerleben

Volksschule Großgmain | Fotos: karl Traintinger

Karl Reisenbichler (* 2. März 1885 in Attersee, Oberösterreich; † 21. Dezember 1962 in Salzburg) war Maler und Radierer. Sein Lebensweg führte ihn von den Ausbildungsjahren in Wien über zahlreiche Studienreisen durch Europa bis zu einem späten Rückzug nach Großgmain, der sein Leben entscheidend prägte.

Von Karl Traintinger

Nach einem begonnenen Musikstudium wechselte Reisenbichler zur bildenden Kunst und studierte Malerei und Grafik. Früh interessierte er sich für Kunst im öffentlichen Raum. Reisen nach Island, Schweden, in die Schweiz, nach Italien und Deutschland erweiterten seinen Blick und stärkten seine Hinwendung zu Wand- und Fassadenarbeiten.

Ab den späten 1920er-Jahren arbeitete er intensiv mit der Sgraffito-Technik und orientierte sich an der Neuen Sachlichkeit. Seine mehrfarbigen Fassaden zeichnen sich durch große Haltbarkeit und eine plastische, beinahe freskoartige Wirkung aus. Viele dieser Arbeiten sind bis heute Teil des öffentlichen Raums, oft unbeachtet, aber kunsthistorisch bedeutsam.

Eine tiefe Zäsur brachte das Jahr 1939. Reisenbichler wurde Funktionär für bildende Kunst im Reichsgau Salzburg. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war seine Existenz gebrochen. Politisch belastet und wirtschaftlich ruiniert zog er sich nach Großgmain zurück.

Die Jahre dort waren von Krankheit und Armut geprägt, zugleich blieb Reisenbichler künstlerisch aktiv. Besonders deutlich zeigt sich das im Sgraffito an der Volksschule Großgmain. Es ist mehr als ein dekoratives Wandbild: ein spätes Vermächtnis eines Künstlers, der trotz politischer Verstrickungen, persönlicher Niederlagen und materieller Not an die gesellschaftliche Aufgabe von Kunst glaubte.

Karl Reisenbichler starb 1962 verarmt im Landeskrankenhaus Salzburg und wurde in Großgmain begraben. Sein Leben steht beispielhaft für viele Künstlerbiografien des 20. Jahrhunderts – zwischen Aufbruch, Brüchen und dem beharrlichen Festhalten an der eigenen Arbeit.

Dorfzeitung.com

Freunde helfen der Dorfzeitung

Freunde helfen der Dorfzeitung durch ein Abo (=Mitgliedschaft)! Wir sind sehr stolz auf die Community, die uns unterstützt! Auf diese Weise ist es uns möglich, unabhängig zu bleiben. Ihre laufende Unterstützung macht den Unterschied.

Es gibt zwei einfache Wege, zum Freund der Dorfzeitung zu werden.

Überweisung der Abogebühr (ohne Kreditkartenabo)
Sie werden für ein Jahr ein außerordentliches Vereinsmitglied (ohne Rechte und Pflichten) des Herausgebervereins (Kulturverein Dorfzeitung KULTUR online) zum Jahrespreis von 54 €. Es ist dazu ihre Post- und E-Mailadresse notwendig, damit wir die Rechnung für den Mitgliedsbeitrag schicken können. Nach Eingang der Zahlung bekommen Sie einen Steady-Gastzugang für 1 Jahr. Verlängerungen sind möglich. Kontaktformular >

Direktabo mit Kreditkartenzahlung
Ein weiterer Weg ist ein Direktabo via Steady, wie es im Folgenden beschrieben und angeboten wird.

INSERT_STEADY_CHECKOUT_HERE

1 Kommentar zu "Karl Reisenbichler – ein Künstlerleben"

  1. Januschefski Januschefski | 17. Januar 2026 um 15:32 |

    Die Entnazifizierung hat in Salzburg nie wirklich stattgefunden. Zu viele ehemalige Nazis blieben unbehelligt, zu viele Karrieren setzten sich nahtlos fort. Ihr Wohlstand wurden damals begründet – und manche Nachfolger glauben bis heute, daraus einen Anspruch auf gesellschaftliche Überlegenheit ableiten zu können.

Hinterlasse einen Kommentar